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Schreiben des dbb brandenburg an Ministerpräsident Platzeck zum Wegfall der Sonderzahlungen an Beamte und Richter des Landes Brandenburg

 

 

An den
Ministerpräsidenten
des Landes Brandenburg
Herrn Matthias Platzeck
Staatskanzlei
Heinrich-Mann-Allee 107

14473 Potsdam


1. November 2006


Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes über Sonderzahlungen im Land Brandenburg


Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

mit Schreiben vom 24. Oktober 2006 hat der Finanzminister dem dbb brandenburg einen neuen Entwurf zum o.a. Gesetz zur Beteiligung auf der Grundlage des § 72 LBG vorgelegt und um Stellungnahme bis 27. Oktober 2006 gebeten.

Mit diesem Gesetzentwurf entfernt sich der Finanzminister nicht nur von dem ihm am 20. Juni 2006 vom Kabinett erteilten Auftrag, einen Gesetzentwurf über die unbefristete Fortschreibung der bis 2006 geltenden (bereits gekürzten) Sonderzahlung vorzulegen, sondern er verstößt darüber hinaus gegen § 72 LBG und die darauf aufbauende Vereinbarung zwischen dbb brandenburg und der Landesregierung zur Beteiligung und gegenseitigen Information.

Darüber hinaus begeht der Finanzminister mit seinem Vorstoß einen eklatanten Vertrauensbruch gegenüber den Beamten, Richtern und Versorgungsempfängern, indem er nicht nur einen wesentlichen Bestandteil des mit der Landesregierung auf drei Jahre befristeten Solidarpaktes nach diesen drei Jahren in der gekürzten Form nicht enden lässt, sondern beabsichtigt, ihn gänzlich zu streichen.

Hier verletzt der Finanzminister den bewährten Grundsatz von Treu und Glauben. Die Beamten, Richter und Versorgungsempfänger, die ohnehin schon durch den Solidarpakt stärker belastet waren als der Arbeitnehmerbereich, da sie für die Kürzungen keinerlei Ausgleich durch Arbeitszeitverkürzung erhielten, konnten auch nach den Bekenntnissen der Landesregierung darauf vertrauen, dass sie nach Ablauf des Solidarpaktes in den vorherigen Stand versetzt werden würden.

Stattdessen beabsichtigt der Finanzminister, die Sonderzuwendung gänzlich zu streichen und treibt damit auch einen Keil zwischen die Beschäftigtengruppen. Es war gerade die besondere Rolle Brandenburgs und auch ein Anspruch der Landesregierung sowie der beteiligten Gewerkschaften und Spitzenverbände, als einziges Bundesland Haushaltseinsparungen im Personalkostenbereich über einen von allen Seiten getragenen, aber befristeten Solidarpakt darzustellen.

Dies war sowohl für die Arbeitnehmer als auch die Beamten mit beachtlichen Einkommensverlusten in einer Gesamthöhe von jährlich 100 Mio. Euro verbunden.

Die Situation, die jetzt entsteht, wenn der Finanzminister sich mit seinem Vorhaben durchsetzt, wird neben den einseitig auf die Beamten verlagerten Einkommensverlusten erhebliche Auswirkungen auf die Motivation der Beamten und deren Bereitschaft zur Bewältigung der Aufgaben bei immer weniger Personal und nicht adäquatem Aufgabenabbau mit sich bringen.

Die sich dadurch auch weiter öffnende Schere bei der Einkommensentwicklung zwischen den Statusgruppen wird ein Übriges dazu beitragen, da im Tarifbereich die Sonderzahlung in modifizierter Form erhalten bleibt und die Übertragung des letzten Tarifergebnisses auf den Beamtenbereich ebenfalls noch aussteht.

Unabhängig davon, dass sich die Landesregierung, wenn sie dem Finanzminister folgt, mit ihrer Vorgehensweise aus der verfassungsrechtlich gebotenen Fürsorgeverpflichtung gegenüber den dafür zur Loyalität verpflichteten Beamten stiehlt, bleibt festzuhalten, dass sich kein Beamter des Landes Brandenburg selbst eingestellt und ernannt hat, sondern diesem Rechtsakt immer Verfassungsgebote bzw. politische Entscheidungen zugrunde lagen, auf die der Beamte vertrauen durfte und deren haushaltspolitische Tragweite dem Dienstherrn bewusst sein musste.

Von daher verbietet es sich, die Einkommen der Beamten, Richter und Versorgungsempfänger zum Stopfen von Haushaltslöchern heranzuziehen.

Der dbb brandenburg verurteilt die Absichten des Finanzministers auf das Schärfste und erwartet von Ihnen, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, dass Sie dessen Vorhaben eine klare Abfuhr erteilen. Gleichzeitig haben wir uns an alle Mitglieder der brandenburgischen Landesregierung gewandt.

Mit freundlichen Grüßen


(Heinz-Egon Müller)
Landesvorsitzender