Antwort der SPD-Fraktion zum Thema
Sonderzahlung
SPD-Landtagsfraktion
Brandenburg
Am Havelblick 8
14473 Potsdam
Gewerkschaft
Strafvollzug
Herrn
Willi Köbke
Grüne Aue 19a
14476 Brandenburg an der Havel
Potsdam,
den 09.11.2011
Sehr geehrter Herr Köbke,
liebe Mitglieder des BSBD,
Sie haben uns Ihren offenen Briefes an unseren Ministerpräsidenten Matthias
Platzeck zur Kenntnis gegeben und uns als politische Entscheidungsträger
selbst auch noch einmal angeschrieben. Darauf möchte ich gerne reagieren.
Zuerst: Ich begrüße außerordentlich, dass sie sich für Ihre Beschäftigten
stark machen. Unser Land braucht starke Gewerkschaften, die für die Rechte
der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kämpfen.
Trotzdem kann ich Ihr konkretes Anliegen -eine Nachfolgeregelung für die
2010 ausgelaufene Sonderzahlungsregelung-nicht unterstützen. Dies ist jedoch
nicht nur die Haltung meiner eigenen Fraktion. Alle im Landtag vertretenen
Parteien haben hier an einem Strang gezogen und keine Nachfolgeregelung für
die Ende 2009 ausgelaufene Regelung gefordert.
Bis heute hat sich der Landeshaushalt nicht gänzlich von den dramatischen
Einnahmeeinbrüchen in der Weltwirtschafts- und Finanzkrise erholt. Fast ein
Zehntel der Einnahmen sind im Laufe des Jahres 2009 weggebrochen. Auf
Bundesebene wird zeitgleich eine Politik betrieben, die Steuersenkungen
vorsieht und wichtige Projekte wie Finanztransaktionssteuer, Erhöhung des
Spitzensteuersatzes für Besserverdienende und Wiedereinführung der
Vermögenssteuer vernachlässigt. Da das Volumen des Landeshaushaltes zu mehr
als 99 Prozent von der Bundesgesetzgebung abhängig ist, wurden die
Spielräume für die Länderhaushalte hierdurch zusätzlich kleiner.
Das Land Brandenburg musste trotz aller Bemühungen seit 2010 wieder neue
Schulden aufnehmen. In den nächsten Jahren zwingen uns der demografische
Wandel, das Auslaufen der Sonderförderung Ost und die Umsetzung der
Schuldenbremse weiterhin zu einer nachhaltigen Haushalts- und Finanzpolitik.
Wir werden deshalb statt heute mit über 10 Milliarden Euro 2020 nur noch mit
8 bis 9 Milliarden Euro auskommen müssen.
Ich
halte es in der aktuellen Lage auch für wenig fürsorglich, wenn wir die
Nettokreditaufnahme des Landes zu Gunsten der Ausweitung der Leistungen für
die Landesbediensteten erhöhen würden. Wir können derzeit in anderen
europäischen Staaten beobachten, wohin eine schuldenbasierte Finanzpolitik
führt: Langfristig ist sie für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes
mit drastischen Einschnitten verbunden. In überschuldeten Haushalten fehlt
das Geld für wichtige Bildungs- und Wissenschaftsausgaben, weil nur noch die
Zinsen an Banken und Hedgefonds bedient werden. Gegenüber der auch bei uns
immer kleiner werdenden jungen Generation halte ich eine fortgesetzte
Verschuldungspolitik für verantwortungslos. Das Land Brandenburg überweist
bereits jetzt täglich mehr als 2 Millionen Euro an Zinsen, die an anderer
Stelle besser aufgehoben wären.
Ich
möchte an dieser Stelle betonen, dass das Land Brandenburg dennoch zu seinen
Beschäftigten steht und fürsorglich mit Ihnen umgeht. Wir zahlen als
Arbeitgeber beim Grundgehalt mittlerweile Eins zu Eins dessen, was im
Bundesdurchschnitt üblich ist. In der "freien Wirtschaft" sind in
Brandenburg in vielen Bereichen nur 70 Prozent bis 80 Prozent des
Durchschnittsgehaltes des Bundes üblich. Während in der Krise die Reallöhne
deutschlandweit sanken, haben wir 20 Jahre nach der Wende im Rahmen der
Tarifanpassung 2010 das Prinzip "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" umgesetzt
und Ihre Grundgehälter entsprechend angehoben. Diese Umsetzung hat zu
Mehrausgaben von 142 Millionen Euro geführt .
Wir haben auch den jüngsten Tarifabschluss der Angestellten Eins zu Eins auf
die Landesbeamten übertragen - sowohl in Höhe der Entgelte, als auch in der
zeitlichen Abfolge der Übernahme. Dieses haben wegen der prekären
Haushaltslage nicht alle Länder getan.
Das Land Brandenburg bietet Ihnen zwar keine Sonderzahlung . Der Dienst in
und für das Land Brandenburg ist dafür aber mit weiteren Vorteilen
verbunden, die unsere Heimat attraktiver gegenüber anderen Ländern machen :
Die Lebenshaltungskosten sind günstiger als im Bundesdurchschnitt. Das Land
Brandenburg bietet eine erheblich bessere Versorgung mit Kinderkrippen- und
Kindergartenplätzen. Das Land Brandenburg bekennt sich zum gebührenfreien
Hochschulstudium und zu kleinen Klassen in unseren Schulen. Dieses sind
ebenfalls Maßnahmen, die zwar den Landeshaushalt belasten, aber auch unseren
Landesbediensteten zu Gute kommen. Junge Familien kommen in Brandenburg
damit auch ohne Sonderzahlungen finanziell weiter als anderswo.
Wir
erkennen auch an, dass der Stellenabbau auf 40.000 Landesbedienstete bis
2020 von den Bediensteten Opfer abverlangt. Brandenburg wird mit Umsetzung
dieses Programms eine Personalstruktur aufweisen, wie sie bereits heute in
den finanzschwachen westdeutschen Ländern üblich ist. Mehr Stellen sind
leider aufgrund der beengten finanziellen Situation des Landes dauerhaft
nicht finanzierbar.
Die Arbeit, die Sie tagtäglich für das Land leisten, hat eine sehr hohe
Wertschätzung verdient. Unsere Landesbediensteten sind die größte und beste
Ressource, die unser Land aufzuweisen hat. Wir können leider Ihre Besoldung
nicht gänzlich von der allgemeinen Einnahmeentwicklung und der
Finanzschwäche des Landes abkoppeln. Daher möchte ich um Verständnis werben,
dass wir nicht alle Forderungen erfüllen können. Für ein Gespräch stehe ich
dennoch zur Verfügung.
Mit
herzlichen Grüßen
Ralf
Holzschuher MdL