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Kommentar
Das vergessene Potential
von Burghard Neumann
Der
Strafvollzug in Brandenburg ist noch immer im Umbruch. Nach dem fast
abgeschlossenen Bauprogramm, nur noch die JVA Brandenburg muss umgebaut
werden, ist auch eine organisatorische Neugliederung nötig. Wirklich?
Nicht nur, dass es augenblicklich schick ist, die Menschheit mit ständig
neuen, meist auch noch fremdsprachigen Begriffen zu verwirren, nein, man
will auch zeigen, dass man modern ist, mit der Zeit geht.
Grundsätzlich kann solch eine „Selbstüberprüfung“ am Ende ja auch etwas
Gutes für sich haben, wenn sie denn tatsächlich auf Fakten basiert, die
unumstößlich sind.
Da habe
ich in Brandenburg und insbesondere im politischen Bereich so meine Zweifel.
Hier regiert allzu oft der tagespolitische Aktionismus. Eindrucksvoll belegt
durch das nicht enden wollende Theater um Kosteneinsparung und
Personalreduzierung.
Selbst der
Bereich der Inneren Sicherheit wird zum Spielball der politischen
Aktionskünstler in der Landesregierung. Und die oberen Verwaltungen machen
diesen Kram leider mehr oder weniger eigeninitiativ auch noch mit.
Der
Strafvollzug bildet da keine Ausnahme.
Mit neuen
Organigrammen – besser „Zauberformeln“ - soll der Vollzug fit gemacht werden
für diese moderne Zeit. “Hierarchieabbau“ ist ein solches Zauberwort oder
auch „Führungsebenen abflachen“. Eigentlich heißt das, dass es weniger
Häuptlinge, ergo mehr Indianer geben soll. In den brandenburgischen
Vollzugsanstalten wird gleich ein Schritt übersprungen. Ich rede vom
Werkdienst. In den neuen Organisationsplänen wird er überhaupt nicht mehr
erwähnt! In anderen Bundesländern ist er als zweitgrößte Berufsgruppe die
einzige, die neben der Teilhabe an der kostenintensiven Behandlung
regelmäßig auch noch produziert und Werte erwirtschaftet.
Da können
ein paar Dinge nicht wirklich zusammenpassen! Wird hier klammheimlich die
Auslagerung vorbereitet, damit das Ausbluten dieser Berufgruppe begründet
werden kann? Man erinnere sich, reformieren, Personal optimieren bedeutet in
Brandenburg ausschließlich streichen, abschaffen!
Die
Privatisierung der Anstaltsverpflegung in der JVA Cottbus war der Beginn des
Vergebens von Chancen für den Vollzug, die Betreuung von jugendlichen
Straftätern durch freie Träger – finanziert durch Stellenkürzungen im
Vollzug - ein weiterer verhängnisvoller Schritt. Steht nun Schritt Nummero
Drei, das „Ausbluten des Werkdienstes“ an?
Bei
Politik und oberster Dienstbehörde muss hier ein Umdenken einsetzen. Mit dem
Entwurf des Jugendvollzugsgesetzes werden auch anspruchsvolle
Behandlungsziele formuliert. Aber wer soll diese umsetzen, wenn der
schleichende Personalabbau anhält. Es ist unseriös, ein solches Gesetz auf
den Weg zu bringen und gleichzeitig eine wichtige Säule, nämlich den
Werkdienst zu demontieren. Das Gleiche gilt übrigens für den
Erwachsenenvollzug. Wenn Gefangene zu wirtschaftlich ergiebiger Arbeit
angehalten werden sollen, macht dies keinen Sinn mehr, wenn
keiner da ist, der qualifiziert, anleiten und kontrollieren kann.
Parlament
und Landesregierung sind ausdrücklich aufgefordert, für einen gut
aufgestellten Werkdienst zu sorgen, wenn Resozialisierung und
Behandlung keine Worthülsen sein sollen. Beschäftigung und Ausbildung durch
fachlich versiertes Personal, dass auch noch in vollzuglichen Dingen fit
ist, spart Kosten, weil der Rückfall von Straftätern anerkannt gemindert
wird. So
bedeutet jede gelungene Wiedereingliederung einen Zugewinn an Innerer
Sicherheit. Ohne einen gut funktionierenden Werkdienst ist das allerdings
nicht zu schaffen.
Ob man das
in Potsdam verkannt und schließlich vergessen hat?
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