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Feierliche Einweihung der Erweiterungsbauten in der JVA Wriezen
Die Inbetriebnahme der neuen
Haftplätze in Wriezen verbessern vollzugliches Umfeld und Sicherheit weiter
– Die alte kleine Haftanstalt in Oranienburg konnte damit geschlossen
werden.
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Das neue Hafthaus
mit Freifläche |
Das
Ausbildungszentrum |
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Blick in den
Haftraumtrakt |
Die
Justizministerin übergibt den symbolischen Schlüssel an den Leiter der
JVA Wriezen |
Seit der Wiederinbetriebnahme im Jahr 1995 mit anfangs
40 Haftplätzen im geschlossenen Vollzug hat die Justizvollzugsanstalt
Wriezen schon mehrere Höhepunkte erlebt. Mit dem Bau- und
Investitionsprogramm war dann endgültig eine klare Zielvorgabe
gegeben: Ein völliger Neubau bei laufenden Betrieb, der im
Endergebnis 190 Haftplätze für Jugendliche und junge Erwachsene im
geschlossenen Vollzug und 30 Haftplätze im offenen Vollzug aufweist.
Im Juli 2001 konnte
das Gebäude des offenen Vollzuges in Betrieb genommen werden und im
Dezember desselben Jahres wurde der Grundstein für Erweiterungsbauten im
geschlossenen Vollzug gelegt, die im Juni 2004 bezugsfertig waren und mit
deren Belegung ab Juli begonnen wurde.
Am 15. Juli 2004
erfolgte die feierliche Einweihung der Neubauten durch Finanzministerin
Dagmar Ziegler (SPD) und Justizministerin Barbara Richstein (CDU).
Im Beisein zahlreicher Vertreter aus Politik, Justiz, Kirche,
Kommunalverwaltung und den Medien übergab die Finanzministerin den
symbolischen Schlüssel an die Justizministerin, die diesen umgehend
weiterreichte an den Leiter der Anstalt ORR Wolf-Dietrich Voigt.
Neben den üblichen Ritualen wurde die Veranstaltung bereichert durch die
Vorführung eines Theaterstücks ("Die Räuber von Wriezen") mit jugendlichen
Gefangenen. Deren Begeisterung ging soweit, dass sie statt des angekündigten
Ausschnittes das ganze Stück – mit stillschweigender Duldung der
verantwortlichen Bediensteten - darboten. Die Mehrheit der Gäste war
offensichtlich sehr beeindruckt von dem Ergebnis monatelanger Proben sowie
der Interpretation des Schillerschen Originals.
Der Neubau in Wriezen
umfasst nicht nur ein neues Haftgebäude mit 150 Haftplätzen, sondern
auch ein Bildungzentrum mit Schulungsräumen, Ausbildungskabinetten und –werkstätten,
ein neues Verwaltungsgebäude, Versorgungseinrichtungen, Neue Pforte und
Umwehrung und ist mit modernster Sicherungstechnik ausgestattet. Insgesamt
sind hier ca. 26 Millionen Euro investiert worden. Abgeschlossen ist
das Bauprojekt jedoch noch nicht. Es steht noch die Sanierung und der Umbau
des alten Hafthauses – allerdings kein Altbau, sondern 1995 in Betrieb
genommen – sowie die Gestaltung des alten Geländes der Haftanstalt an.
Hierzu sind nochmals ca. 4,8 Millionen Euro veranschlagt. Anfang des
Jahres 2006 ist dann mit der wohl letzten feierlichen Übergabe in der
JVA Wriezen zu rechnen und die Endstufe ist dann mit einer Gesamtkapazität
von 220 Haftplätzen (190 geschlossener, 30 offener Vollzug) erreicht.
Kurzzeitig gab es
Überlegungen, die Kapazität in Wriezen auf 280 Haftplätze durch ein weiteres
Hafthaus zu erhöhen, um den Jugendstrafvollzug in Wriezen zu konzentrieren.
Da jedoch die derzeitigen Entwicklungen auf einen Bedarf an
Haftplätzen für jugendliche und junge Gefangene im Umfang von 350 bis 400
(einschließlich U-Haft) hinweisen, würde auch das nicht ausreichen, um
Jugendstrafvollzug und U-Haft allein in Wriezen zu vollziehen. Außerdem
dürfte es wohl auch aus vollzuglichen Gründen notwendig sein, nicht nur
einen Standort für den Jugendvollzug zu haben. Ob das Vorhaben völlig
aufgegeben oder nur bis nach der Landtagswahl aufgeschoben ist, wird sich
zeigen, denn Staatskanzlei und Justizministerium sind sich einig darin, dass
die ursprünglich durch das Bau- und Investitionsprogramm angestrebte
Haftplatzausstattung von insgesamt 2.750 Haftplätzen nicht erforderlich sei
und hier Korrekturen vorgenommen werden müssen.
In der Pressekonferenz vor
dem Festakt waren natürlich auch die Geschehnisse um die JVA Brandenburg
a.d.H. Gegenstand der Fragen der anwesenden Medienvertreter. Ministerin
Richstein wies auf die Aufhebung der "Suspendierungen" für die betroffenen
Bediensteten des AVD hin und erklärte dazu, das sich Vorwürfe zu
Gefangenenmisshandlung bzw. andere dienstrechtlich relevante Vorhaltungen
für diese Bediensteten als unberechtigt erwiesen haben und Berichte der
Medien zu Rollkommandos, Folterungen u.ä. jeglicher Grundlage entbehren. Es
seien zwischenzeitlich Untersuchungen von anderen Vorfällen in der
Vergangenheit eingeleitet, um auch hier den Missbrauch staatlicher
Befugnisse ausschließen zu können.
Der BSBD Brandenburg
meint hierzu, dass die mediale Aufregung weit weniger heftig gewesen wäre,
wenn die Ministerin und das MdJE von vornherein erklärt hätten, dass
die Bediensteten keinesfalls - weder in Brandenburg noch in den anderen
Vollzugsanstalten - ohne Anlass Gewalt gegen Gefangene anwenden und dies
auch in den von den Medien dargestellten Fällen seitens des MdJE so gesehen
werde. Natürlich muss man dann in Kauf nehmen, dass im Einzelfall auch
Überreaktionen festgestellt werden können, die jedoch letztlich nichts
mit bewusster und vorsätzlicher Misshandlung von Gefangenen zu tun
haben. So wäre zumindest verhindert worden, dass das Vertrauen der Mehrheit
der Vollzugsbediensteten zum MdJE erschüttert ist. Dies zu kitten dürfte
schwer werden.
Nach Pressekonferenz und
Festakt gab es für die Anwesenden die Gelegenheit, die neuen Gebäude und die
somit verbesserten Bedingungen für einen wirksamen Jugendstrafvollzug in
Augenschein zu nehmen.
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