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Für die Zukunft gerüstet…?
Vorenthaltener Nachwuchs
und willkürliche Personalkürzungen, das ist die falsche Politik!
Öffentliche Veranstaltung
des BSBD Brandenburg anlässlich seines 6. ordentlichen Gewerkschaftstages
Zur öffentlichen
Veranstaltung im Rahmen des Gewerkschaftstages unter dem Motto „Für die
Zukunft gerüstet…?“ konnte der BSBD Brandenburg eine Vielzahl von Gästen aus
Politik, Justizvollzug, den Dachverbänden und anderen Fachgewerkschaften
begrüßen.
So konnten die Delegierten
den am 6. November 2009 neu ins Amt berufene Justizminister des
Landes Brandenburg Dr. Volkmar Schöneburg begrüßen, dessen Teilnahme
einer seiner ersten öffentlichen Auftritte war. Als Vertreter der im Landtag
vertretenen Parteien waren erschienen Herr Danny Eichelbaum,
rechtspolitischer Sprecher der CDU, Herr Ralf Holzschuher,
rechtspolitischer Sprecher der SPD, Herr Stefan Ludwig,
stellvertretender rechtspolitischer Sprecher der Linken und vormals
Bürgermeister der Stadt Königs Wusterhausen sowie Hans-Peter Goetz,
Fraktionsvorsitzender der wieder in den Landtag eingezogenen FDP. Die
Fraktion Bündnis 90/Grüne entsandte leider keinen Vertreter, was hoffentlich
nicht bedeutet, dass sie die Problematik Strafvollzug nicht ernst nehmen.
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Justizminister Dr. Volmar Schöneburg (Linke), Landesvorsitzender Willi
Köbke und
Ralf Holzschuher (SPD) v.r.n.l. |
Weiterhin konnte der Leiter
der Abteilung III im MdJ, MinDirig Manfred Koldehoff, die Leiterin
bzw. Leiter aller Justizvollzugsanstalten sowie die Leiterin der am
Tagungsort ansässigen Jugendarrestanstalt begrüßt werden. Dr.
Harald Kruse, Leiter der Justizakademie und somit Gastgeber des
Gewerkschaftstages war ebenfalls erschienen.
Seitens des
BSBD-Bundesvorstand war Kollege Wolfgang Jänicke entsandt, den
dbb brandenburg vertrat der im
Juni 2009 wiedergewählte Vorsitzende Heinz-Egon Müller. Die
Fachverbände im dbb waren durch Sabine Wenzel (DJG), Axel Wollmann
(BDR) und Katrin Schiersner (DVG) vertreten.
Natürlich ließ es sich unser
Ehrenmitglied Wilhelm Bokermann nicht nehmen, dem Gewerkschaftstag
beizuwohnen. Da der BSBD Nordrhein-Westfalen am gleichen Tag eine
Großveranstaltung mit seiner Ministerin in NRW durchführte, war er zugleich
beauftragt, ein Grußwort für unseren Partnerverband zu sprechen.
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| Danny
Eichelbaum, rechtspolitischer Sprecher der CDU |
Rechtspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion Ralf Holzschuher |
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Fraktionsvorsitzender der FDP Hans-Peter Goetz |
Stefan Ludwig, stellv. rechtspolitischer Sprecher der
Linken |
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Wolfgang Jänicke beim
Grußwort des Bundesvorstandes des BSBD |
Grüße vom Partnerverband
durch Wilhelm Bokermann (NRW) |
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Landesbundsvorsitzender des dbb brandenburg Heinz-Egon Müller |
Minister der Justiz des Landes Brandenburg Dr. Volkmar Schöneburg |
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Der Strafvollzug darf
kein Billigprodukt in moderner Aufmachung werden
In seinen einführenden
Worten ging der Landesvorsitzende auf die derzeitige Lage im Justizvollzug
des Landes ein. Die permanent absinkenden Belegungszahlen wecken
Begehrlichkeiten hinsichtlich der Infragestellung von Vollzugsstandorten und
der Personalausstattung. Demgegenüber steht die mit den bisher schon
beschlossenen und den noch anstehenden Vollzugsgesetzen ansteigende
Aufgabenfülle, die im Sinne der Zielstellungen beim Vollzug der
verschiedenen Strafen durchaus ihre Berechtigung hat, aber eben auch die
entsprechenden materiellen und personellen Ressourcen erfordert, zu deren
Bereitstellung die Landesregierung eigentlich verpflichtet ist. Kollege
Köbke wies auf die tatsächliche Praxis hin: Ungebremster Stellenabbau
und fehlende Ausbildung, so das letztlich selbst die aus Sicht des
BSBD unrealistischen Zielzahlen für 2012 unterschritten werden. Damit
werden angestrebte vollzugliche Standards bei der Sicherheitsgewährung,
Unterbringung und Behandlung schon von vornherein in Frage gestellt.
Eindeutig erklärte Kollege
Köbke,
der BSBD Brandenburg werde jeglichen Versuchen, aus dem Strafvollzug
ein Billigprodukt zu machen, energischen Widerstand entgegensetzen. Auch
eine Personalausstattung auf unterstem Niveau – offensichtlich immer noch
nicht aus dem politischen Denken verbannt - liegt weder im Interesse einer
realistischen Sicherheits- und Rechtspolitik, einer wirksamen und erneuter
Straffälligkeit vorbeugenden Vollzugsgestaltung noch im Interesse einer
vernünftigen Finanzpolitik und dient letztlich eben nicht dem Wohle der
Bürger des Landes, zu dem sich alle Politiker im Land immer wieder in Worten
bekennen. Hier, so der Landesvorsitzende, gibt es nicht nur eine
Verantwortung des Justizministers für einen wirksam gestalteten und
gesetzeskonformen Strafvollzug, sondern auch eine Verantwortung aller
Kabinettsmitglieder und politischen Mandatsträger für den Rechtsstaat,
für Rechtssicherheit, Rechtswahrung und Rechtsverwirklichung.
Auch hinsichtlich der
Bezahlung sind besonders die Beamten im Land Brandenburg in Bezug auf
die anderen Länder (mit Ausnahme Berlins) ins Hintertreffen geraten, was
sich neben der permanent hohen Arbeitsbelastung gleichfalls negativ auf
Motivation und Engagement auswirkt. Hier ist zwingend Handlungsbedarf für
Landesregierung und Parlament angezeigt.
Sicherstellung eines
behandlungsorientierten Strafvollzuges ist eine Grundaufgabe
Minister Dr. Schöneburg
wies zu Beginn seiner Ausführungen darauf hin, dass er sich nach einwöchiger
Amtszeit erst einmal mit der Vielzahl der konkreten Probleme vertraut machen
müsse. Gleich am ersten Tag hatte er ein längeres Gespräch mit dem
Landesvorsitzenden, der ihn zu einigen Sachverhalten und dringend
anzugehenden Problemen im Justizvollzug des Landes informierte. Zugleich
habe er auch sehr aufmerksam das Positionspapier zur Kenntnis genommen. Zwar
sind ihm aus seiner Tätigkeit als Strafverteidiger alle Vollzugsanstalten
bekannt und er habe bei Mandantenbesuchen auch Gespräche mit Bediensteten
über deren Sorgen geführt, nun aber müsse er als verantwortlicher
Ressortchef auch Lösungen finden.
Minister Dr. Schöneburg
betonte nachdrücklich, dass für ihn die Resozialisierung der
einsitzenden Straftäter die Hauptaufgabe eines modernen
Strafvollzuges darstelle, da sie durch rückfallverhütende Wirkungen auch der
Erhöhung der Sicherheit während und nach der Strafverwirklichung diene und
Verfassungsrang habe. Dazu bedarf es der entsprechenden
Rahmenbedingungen sowohl in finanzieller als auch personeller Hinsicht.
Insofern werde er sich für eine Personalausstattung einsetzen, die sich an
den zu lösenden Aufgaben orientiere.
Nach seinem bisherigen
Kenntnisstand ergebe sich insbesondere ein dringlicher Bedarf im allgemeinen
Vollzugsdienst, auf den durch unverzügliche Wiederaufnahme der Ausbildung
für diesen Bereich zu reagieren sei. Insgesamt müsse der „Vergreisung“ im
Personalbestand entgegengewirkt werden. Deshalb unterstütze er die
Forderungen nach einem Einstellungskorridor für „bedürftige“
Laufbahnen.
Die laufbahn- und
besoldungsrechtlichen Forderungen des BSBD sind für Minister Dr.
Schöneburg nachvollziehbar, da sie letztlich eine Anerkennung der
geleisteten und zu leistenden Aufgaben im schwierigen Tätigkeitsfeld
Strafvollzug darstellen. Hierbei ist aber mit Problemen zu rechnen, da sie
auch Zuständigkeiten des Innen- und des Finanzressorts berühren.
Bezogen auf
Privatisierungsbestrebungen in einigen anderen Bundesländern erklärte Dr.
Schöneburg unmissverständlich, dass hoheitsrechtliche Aufgaben – und
dazu gehöre der Strafvollzug – schon aus verfassungsrechtlichen Gründen
beim Staat bleiben müssen.
Abschließend sicherte er zu,
dass der Strafvollzug in seiner Verantwortung als Justizminister
besondere Priorität haben werde und er hierbei auf die Unterstützung
durch den BSBD Brandenburg setze.
(Die Ausführungen sind
auf der Internetseite des BSBD Brandenburg (www.bsbd-brb.de) nachlesbar)
CDU für Verbesserungen
bei der Sonderzahlung an Beamte
Der neue rechtspolitische
Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Danny Eichelbaum, führte u.a aus,
dass die CDU darauf achten werde, dass es in Brandenburg nicht zu
willkürlichen Personalkürzungen kommen wird. Hier erinnerten sich die
Delegierten des BSBD daran, dass in der vergangenen Legislaturperiode unter
dem Schlagwort „Best Practice“ Anderes praktiziert wurde. Insofern ist es
aus Sicht des BSBD sehr zu begrüßen, wenn nunmehr die CDU die
Personalkürzungen im Strafvollzug anders bewerten will. Außerdem wies Danny
Eichelbaum auf die Diskussion zu der Sonderzahlung an die Beamten für
das Jahr 2008 hin, deren Höhe er als nicht nachvollziehbar berechnet
bezeichnete. Er kündigte an, dass sich seine Fraktion in der anstehenden
Nach-folgeregelung für Verbesserungen einsetzen werde. Bleibt für die
Justizvollzugsbediensteten die Frage, ob er da auch seine Kollegin Dr.
Saskia Ludwig (vormals Funck) als finanzpolitische Sprecherin überzeugen
kann, denn noch im Jahr 2006 trat sie vehement für die völlige Streichung
der Sonderzahlung im Land Brandenburg ein.
Brandenburg benötigt ein
Resozialisierungsgesetz
Der rechtspolitische
Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Ralf Holzschuher, führte in seinem
Beitrag aus, dass zur Verhinderung erneuter Straffälligkeit eine bessere und
vor allem durchgängige Betreuung des Klientels erforderlich sei, die
sich auch nach Vollzug der Freiheitsstrafe fortsetzen müsse. Deshalb werde
die SPD gemeinsam mit Den Linken einen entsprechenden Gesetzesentwurf
vorbereiten, der als Resozialisierungsgesetz verbindliche Vorgaben in
dieser Hinsicht machen soll. Dieses Vorhaben sieht der BSBD positiv,
meint aber auch – wie schon bei den bisherigen Vollzugsgesetzen – dass eine
wirksame Umsetzung nur dann möglich ist, wenn die dazu erforderlichen
personellen Ressourcen sowohl in den Vollzugsanstalten als auch bei den
Sozialen Diensten der Justiz bereitgestellt werden. Nur ein Gesetz allein
bringt da noch keine Besserung.
FDP in Brandenburg gegen
Privatisierung vollzuglicher Aufgaben
Der Fraktionsvorsitzende der
wieder in den Landtag eingezogenen FDP, Hans-Peter Goetz, führte aus,
dass sich die FDP für einen starken Staat einsetze, der zur Lösung
seiner Aufgaben die entsprechenden finanziellen Mittel gezielt und effektiv
einsetzen müsse. Hierzu zähle er auch den Strafvollzug und deswegen
unterstütze er die Forderung nach aufgabengerechter Personalausstattung.
Eine Privatisierung vollzuglicher Aufgaben - so der FDP-Fraktionschef
- lehne seine Partei im Land Brandenburg ab. Diese Aussage wurde von den
Delegierten mit Beifall aufgenommen, kennt man doch andere Länder, in denen
gerade die FDP solche Vorhaben unterstützt.
Realistische
Mittelausstattung
Stefan Ludwig
(Die Linke) begrüßte zu Beginn seiner Ausführungen die Delegierten in seiner
Heimatstadt, deren Bürgermeister er bis vor kurzem war. Aus seiner Zeit als
rechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion in den ersten beiden
Legislaturperioden des Landtages ist ihm die Problematik des Strafvollzuges
bekannt, auch wenn sich Einiges geändert hat. Mit Dr. Volkmar Schöneburg, so
Ludwig, habe die Linke einen ausgezeichneten Fachmann für das Amt des
Justizministers auserwählt, der seitens der Fraktion die volle Unterstützung
für seine Tätigkeit bekomme. Auch wenn seine Partei im Koalitionsvertrag die
bisher schon von der Vorgängerregierung festgeschriebenen
Personalkürzungen im öffentlichen Dienst mittrage, werde man darauf
achten, dass die Leistungsfähigkeit der staatlichen Institutionen nicht in
Frage gestellt werde. Insofern ist in der Mittelbemessung auch für den
Strafvollzug ein angemessener, die Zielstellungen berücksichtigender Maßstab
anzulegen.
Sparsame
Personalausstattung kann auch unzureichende Personalausstattung bedeuten
Kollege Wolfgang Jänicke,
der im Auftrag der Bundesleitung ein Grußwort sprach, ging besonders auf die
Situation der Strafvollzugsbediensteten ein und wies mit Nachdruck
darauf hin, dass gute Umfeldbedingungen nicht automatisch zu einer
niveauvollen Vollzugsgestaltung führen. Sparsame Personalausstattung ist
nicht gleichbedeutend mit Sparsamkeit, sondern kann auch unzureichende
Personalausstattung bedeuten.
Dem schloss sich auch
Kollege Wilhelm Bokermann, der vom nordrhein-westfälischen
Partnerverband zu einem Grußwort beauftragt war, an. Die Bediensteten in NRW
verfolgen die Vorgänge im Strafvollzug des Landes Brandenburg sehr
aufmerksam. Insbesondere nach dem Ereignis in Siegburg stand das Geschehen
um die 13 Kolleginnen und Kollegen aus der JVA Brandenburg a.d.H.,
die - wie sich nach dem erstinstanzlichen Urteil zeigte - zu Unrecht dem
Vorwurf des Amtsmissbrauchs und der Gefangenenmisshandlung ausgesetzt sahen,
oft im Mittelpunkt der Gespräche. Besonders das Verhalten der damaligen
Hausspitze des MdJ war hier Gegenstand der Kritik auch
nordrhein-westfälischer Justizvollzugsbediensteter. Ihre eigene
Justizministerin hat sich im Fall Siegburg anders positioniert und vor allem
sind konkrete Schlussfolgerungen in Hinsicht auf eine Stellenmehrung
gezogen worden. Kollege Bokermann stellte die Frage in den Raum:
Muss es erst zu solchen ernsten Vorfällen kommen, ehe die
Politik aufwacht?
Der Landesbundsvorsitzende
des dbb brandenburg, Heinz-Egon Müller, ging in
seinen Ausführungen auf die im Koalitionsvertrag getroffenen Vereinbarungen
zur Fortsetzung des Stellenabbaus in der öffentlichen Verwaltung ein.
Hier sehe er Klärungsbedarf hinsichtlich der Zahlen zu den angekündigten
Zugängen im Bereich der Lehrer, Erzieher und der Polizei. Auch habe er
Probleme damit, dass die Linke, die sich bisher gegen jeglichen Stellenabbau
im öffentlichen Dienst positionierte, nunmehr in Regierungsverantwortung die
vorgesehenen Kürzungen auch über das Jahr 2012 hinaus mittrage.
Den Worten müssen
konkrete Taten folgen
In seinem Abschlusswort
brachte Willi
Köbke
zum Ausdruck, dass der BSBD Brandenburg die Darlegungen des Ministers
und der Vertreter der Fraktionen im Landtag wohlwollend zur Kenntnis
genommen hat, was der Beifall bei den Ausführungen zum Ausdruck bringt. Es
wird sich zeigen, welche Taten den jetzigen Worten folgen werden -
und daran werden die Mitglieder des BSBD Brandenburg, aber auch alle
Bediensteten im Brandenburger Justizvollzug den Einsatz von Justizminister
und der Fraktionen des Landtages für die Belange und Erfordernisse im
Strafvollzug des Landes messen.
In diesem Sinne erklärte
Kollege Köbke:
„Ich glaube hier mit gutem Recht sagen zu dürfen, dass die Mehrzahl unserer
Kolleginnen und Kollegen bereit ist, sich mit ihrer ganzen Kraft für einen
wirksamen Resozialisierungsvollzug einzusetzen und Erschwernisse, die immer
wieder mal auftreten, in Kauf zu nehmen, wenn sie die Unterstützung des
Justizministers, des ihm unterstellten Hauses, aber auch der Mitglieder des
Landtages erfahren. An Ihnen, Herr Minister, aber auch an Sie, meine Herren
Abgeordneten, ganz gleich ob der Koalition oder der Opposition angehörend,
liegt es, uns dazu auch die Möglichkeit zu geben, indem sie die dazu
erforderlichen Voraussetzungen schaffen, denn dies ist nun einmal Ihre
konkrete politische Verantwortung gegenüber den Bürgern und den Bediensteten
im Strafvollzug.“
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