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Der Jubel zur Fußball Weltmeisterschaft
2006 ist vorbei! Werden wir bald weinen, wenn das böse Erwachen kommt???
Gedanken zur Föderalismusreform von Dörthe Hilbig, stellvertretende
Landesvorsitzende des BSBD Brandenburg
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| Dörte
Hilbig |
Toll war es, das
Fußballfest. Deutschland war im Rausch der guten Stimmung, sang wieder stolz
die Hymne, schwenkte die Fahnen und feierte auf Straßen und Plätzen - nur
Wenige nahmen sich die Zeit die Nachrichten zu verfolgen.
Unsere Parlamentarier im
Bundestag wollten in ihren wohlverdienten Urlaub und haben noch schnell vor
der Sommerpause ihre Pläne unter Dach und Fach gebracht. Der Bundesrat gab
dann am 07.07.2006 ebenfalls seine Zustimmung.
Aber halt, zwei Länder waren
wach und haben weiter als bis zum WM-Finale gedacht. Doch leider konnten
diese 7 Stimmen bei der Abstimmung im Bundesrat nichts bewirken.
Nun ist es beschlossen, dass
viel gepriesene Meisterwerk der Großen Koalition: Die FÖDERALISMUSREFORM.
Ich stell mir die Frage:
Wird jetzt alles noch schlimmer?
Ziel der Reform soll sein,
die hohe Zahl der Zustimmungspflichtigen Gesetze im Bundesrat deutlich zu
verringern. Im Gegenzug erhalten die Länder deutlich mehr Zuständigkeiten
z.B. bei:
-
Besoldung und Versorgung ihrer Beamten
-
Strafvollzug
- Bildung
-
Versammlungsrecht
-
Ladenschlussrecht.
Wenn ich mir dazu dann die
vielen Schriftstücke der Parteien ansehe und z.B. in der
Koalitionsvereinbarung lese:
"Sicherheit ist die
Voraussetzung für ein Leben in Freiheit. Sie zu garantieren, ist Aufgabe
unserer staatlichen Ordnung."
oder
"Menschen wollen in
rechtlich verlässlichen Strukturen frei und sicher leben. Rechtspolitik
schafft den Ausgleich zwischen dem Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit
und ihrem grundsätzlich garantierten Recht auf Freiheit. Wir werden auch in
Zukunft den rechtlichen Rahmen garantieren, um Kriminalität auf allen Ebenen
zu bekämpfen. Dazu gehören wirksame Strafgesetze, eine effektive und
schnelle Strafverfolgung und der konsequente Umgang mit Straftätern.",
dann frage ich mich
wirklich, wie wir den konsequenten Umgang mit Straftätern zukünftig
realisieren wollen, wenn die Länder in Punkto Strafvollzug die
Gesetzgebungskompetenz haben und das Strafvollzugsgesetz fortan durch
möglicherweise bis zu 16 Landesgesetze ersetzt werden kann.
-
Richter verurteilen nach
einem bundeseinheitlichen Strafgesetzbuch, aber die Freiheitsstrafe
vollziehen wir nach Landesrecht???
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Wird der
Behandlungsvollzugs aus den möglicherweise bis zu 16 Landesgesetzen
gestrichen, wenn er nicht mehr finanzierbar ist?
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Was wird dann aus dem
Satz, der mir in der Ausbildung gelehrt wurde: "Behandlung schafft
Sicherheit."?
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Zusätzlich zur jetzt schon
unterschiedlichen Bezahlung in Ost und West, bezahlen die Länder dann auch
noch ihre Bediensteten nach Kassenlage?
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Sucht sich eventuell sogar
gut ausgebildetes, engagiertes Vollzugspersonal in einem finanzkräftigen
Bundesland eine neue Stelle? Ganz unter dem neuen Motto: "Die nehme ich
alle, denn da spar ich sogar die Ausbildungskosten!".
Um ruhig beim Fußball zu
bleiben, findet dann "das Abkaufen" von Topleuten auch im Strafvollzug
statt? Ich befürchte sogar, dass das nicht nur den Strafvollzug betreffen
könnte.
Ich hätte da noch mehr
Fragen, aber die Lage bessert sich dadurch auch nicht. Es soll zum
Nachdenken anregen und die wachrütteln, die noch nicht aus ihrer
Fußballeuphorie erwacht sind. Wer jetzt wegschaut, braucht hinterher
nicht zu meckern. Mag sein, dass es auch Verbesserungen durch die
Föderalismusreform geben wird, aber das muss sich erst noch zeigen!
Es heißt jetzt aufpassen und
wie ein Adler oder Luchs seine Umgebung (Bundesland) beobachten.
Für die Bundesleitung des
BSBD ergeben sich bestimmt viele neue Fragen in Bezug auf Struktur und
Einflussmöglichkeiten im Zuge der Änderungen durch die Föderalismusreform.
Es heißt jetzt bestimmt noch mehr als früher, zusammen zuhalten und
gemeinsam für die Sache zu kämpfen. Denn sollten im Punkt Strafvollzug und
Besoldung einige Länder auf der Strecke bleiben, hätte das bestimmt
verheerende Folgen für das gesamte System.
Mit diesen Gedanken fahre
ich voller Erwartung zum Bundesvertretertag nach Hamburg und werde genau
zuhören, was zum Thema Föderalismusreform contra Strafvollzug gesagt wird
und wie wir unter dieser neuen Reform gemeinsam mit und für unsere
Mitglieder kämpfen wollen.
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