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Moderne Anstalten, anspruchsvolle
Vollzugsgesetzgebung, aber stetig steigende Arbeitsbelastungen, permanenter
Personalabbau und fehlende Ausbildung - passt das zusammen?
6. ordentlicher
Gewerkschaftstag des BSBD Brandenburg in Königs Wusterhausen analysiert die
Lage im Strafvollzug des Landes und leitet Schwerpunkte für sein künftiges
gewerkschaftliches Handeln ab
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Tagungspräsidium |
Die Delegierten während einer Abstimmung |
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| Der neue
geschäftsführende Vorstand – Willi Köbke, Burghard Neumann, Dörthe
Hilbig, Christian Lemke (nicht auf dem Bild Rainer Krone) |
Landesvorsitzender Willi Köbke bei seinen Ausführungen zum Geschäftsbericht |
Der Landesverband
Brandenburg des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) führte am
13.11.2009 in der Aula des Aus- und Fortbildungszentrums in Königs
Wusterhausen seinen 6. ordentlichen Gewerkschaftstag durch. Im Vorfeld der
Veranstaltung tagte am 12.11.2009 der Hauptausschuss des
Landesverbandes, der sich nochmals mit den vielfältigen vorbereitenden
Maßnahmen befasste und in satzungsrechtlicher Hinsicht ergänzende Anträge
beriet und als Eilanträge formulierte. Im Ergebnis waren die Mitglieder des
Hauptausschusses zuversichtlich, dass der Gewerkschaftstag reibungslos
ablaufen würde.
Absenkungen in den
Zielzahlen für Haftplatzkapazität und Personalausstattung
Pünktlich am Freitag
eröffnete der Landesvorsitzende den 6. ordentlichen Gewerkschaftstag und
konnte 85 Delegierte (davon 78 stimmberechtigt) aus allen
Ortsverbänden begrüßen. Kollege Rüdiger Werner wurde zum
Tagungspräsidenten gewählt und leitete den Gewerkschaftstag mit der
gewohnten Übersicht. Ihm zur Seite standen Kollege Günter Krebs und
die Kolleginnen Johanna Schröder und Ramona Stephan.
In seinen Ausführungen zum
Geschäftsbericht ging Kollege Willi
Köbke
schwerpunktmäßig auf die vollzugliche Lage im Strafvollzug des
Landes, auf die gestiegenen Anforderungen infolge der bisher schon
beschlossenen und noch ausstehenden Vollzugsgesetze, auf die
Personalsituation und deren Entwicklung, die Folgen der fehlenden
Ausbildung und die im Jahr 2010 bevorstehenden Personalratswahlen
ein. Er verwies darauf, dass mit den Neu- und Sanierungsarbeiten in der JVA
Brandenburg a.d.H. das Bau- und Investitionsprogramm bis ca. 2015 seinen
Abschluss findet und dann alle vorhandenen Haftplätze neu bzw. modernisiert
sind. Gleichzeitig gibt es in der Belegung der Anstalten
rückläufige Entwicklungen, deren Ursachen nur zu vermuten aber nicht
eindeutig zu belegen sind. Seit dem Jahr 2008 liegt die Zahl des
einsitzenden Klientel unter der Marke von 2.000 und im September 2009 betrug
die Auslastung etwas mehr als 70 Prozent, im Bereich der Untersuchungshaft
unterschreitet sie die Grenze von 50 Prozent. Daraus resultierend hat das
MdJ schon in 2007 den künftigen Bedarf an Haftplätzen bis 2012 mit
2.200 beziffert.
Das von der Landesregierung
vorgelegte Personaleinsparungskonzept wurde weiter fortgeschrieben
und dem Strafvollzug ein Abbau auf etwas mehr als 1.100 Stellen bis
2012 auferlegt. Daraus resultierend wurden rechnerisch die Zielzahlen
für die einzelnen Anstalten und die Laufbahnen abgeleitet - unabhängig vom
Aufgabenerfordernis. Gleichzeitig wurde ein Einstellungskorridor für junge
Kräfte insbesondere in der von Altersabgängen besonders betroffenen Laufbahn
des allgemeinen Vollzugsdienstes abgelehnt. Die Vergreisung der
Belegschaft ist also vorprogrammiert und der Supergau nicht mehr
aufzuhalten, selbst wenn - wie vage angekündigt - die Ausbildung im Jahr
2010 wieder aufgenommen werden sollte.
Es wird eine der
Hauptaufgaben des gewerkschaftlichen Wirkens des BSBD Brandenburg
für die kommende Zeit sein - so der Landesvorsitzende - die
Handlungsfähigkeit des Justizvollzuges in Brandenburg durch Zugang in den
Laufbahnen, die schon jetzt erkennbar unterbesetzt sind, einzufordern.
Kollege
Köbke
wies erneut auf die Bedeutung und Rolle der Personalvertretungen hin
und forderte die Delegierten auf, in den Belegschaften auf eine höhere
Wahlbeteiligung zu den anstehenden Personalratswahlen und der
Mandatsvergabe an die Listen der AG Justiz hinzuwirken, um dem BSBD
Brandenburg in den kommenden Jahren den erforderlichen Rückenhalt auch
im Hauptpersonalrat – in dem ja Vertreter aus allen Geschäftsbereichen der
Justiz wirken – zu geben.
Neuwahl des
geschäftsführenden Vorstandes
Nach Kenntnisnahme der
Berichte zum Verbandshaushalt und dessen Prüfung erteilten die Delegierten
dem geschäftsführenden Vorstand einmütig Entlastung. Die anschließenden
Wahlen zum neuen geschäftsführenden Vorstand ergab eine personelle Änderung.
Der bisherige
Landesvorsitzende Willi
Köbke
erhielt erneut das Vertrauen der Delegierten. Zu stellvertretenden
Landesvorsitzenden wurden die Kollegen Burghard Neumann (Ortsverband
Brandenburg a.d.H.), Kollegin Dörthe Hilbig (OV Wulkow) und neu
Kollege Rainer Krone (OV Cottbus) gewählt. Ebenfalls zum
stellvertretenden Landesvorsitzenden und Schatzmeister wurde Kollege
Christian Lemke (Ortsverband Brandenburg a.d.H.) wiedergewählt. Kollege
Günter Krebs (OV Wriezen) trat wegen Eintritts in den Ruhestand nicht
mehr an. Im Namen der Mitglieder dankte der Landesvorsitzende ihm für die
geleistete Arbeit, hob insbesondere seinen Einsatz für die Belange des
Werkdienstes hervor und wünschte ihm alles Gute im nunmehrigen Ruhestand.
Kollege Günter Krebs bedankte sich für das ihm auf dem 5. Gewerkschaftstag
entgegengebrachte Vertrauen und die jetzigen Wünsche und appellierte an den
neuen Vorstand, die Interessen besonders der Bediensteten im Werkdienst
nicht aus den Augen zu verlieren.
Als Kassenprüfer erhielten
erneut die Kollegin
Doreen Piontek
(OV Brandenburg a.d.H.) und der Kollege Joachim Lehmann (OV Cottbus)
das Vertrauen der Delegierten. In das Amt als stellvertretender
Schatzmeister wurde der Kollege Horst Sobottka (OV Brandenburg a.d.H.)
berufen.
Nach kontroverser Diskussion
um den Punkt 3 wurde das Positionspapier zu den gewerkschaftlichen
Forderungen für die kommende Zeit mehrheitlich verabschiedet (siehe
gesonderten Beitrag) und bildet damit die Arbeitsgrundlage für die
Amtsträger und alle Mitglieder des BSBD Brandenburg in der kommenden
Amtsperiode.
Nach der öffentlichen
Veranstaltung wurden die gestellten Satzungs- und Fachanträge
behandelt. Die Delegierten folgten hier den Empfehlungen des
Hauptausschusses.
Der alte und neue
Landesvorsitzende konnte am Ende der Tagung resümieren, dass der
Gewerkschaftstag sehr niveauvoll war, diszipliniert absolviert
wurde und im Zeitplan sogar vorfristig abgeschlossen werden konnte. Dafür
ist sowohl den Delegierten als auch dem souveränen Tagungspräsidenten
Rüdiger Werner und seiner Crew zu danken.
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