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KOMMENTIERT  von Burghard Neumann

 

Ich bin so dankbar …

 

Dankbar dafür, dass sich Frau Sabine Christiansen mit einem Diskussionstitel „Saustall Justiz“, ohne ihn allerdings in Anführungszeichen zu setzen in die Niederungen der Scheinseriosität begibt und es fast alle klaglos hinnehmen. Dankbar dafür, dass wenigstens der NRW-BSBD-Vorsitzende Klaus Jäkel dies sofort kritisch angesprochen hat, und ich meine, bei Frau Christiansen in diesem Moment so etwas wie Nachdenklichkeit bemerkt zu haben. 

Ich bin dankbar, dass Sachsens Justizminister nicht müde geworden ist zu erklären, dass der Dachgang des Mario M. kein Ausbruch war. Ich möchte nicht wirklich wissen, in wie vielen Anstalten jetzt geschweißt und montiert wird, um künftig noch tollkühn anmutendere Klettervarianten zu verhindern, die kostenbewusste Baubehörden und Planer fest „installiert“ haben.

Und wenn man dem brutalen Mord in der JVA Siegburg etwas abgewinnen muss, dann doch die Erkenntnis, dass hinter den hohen Mauern der „ganz normale Wahnsinn“ unserer Gesellschaft auch nicht aufhört.

In Brandenburg bin ich Finanzminister Rainer Speer und dem Rest „seiner“ Regierung dankbar. Beide entpuppen sich gerade als wortbrüchig und nicht eben vertrauenswürdig. Erst wird die Staatskasse mit jahrelanger politischer Stümperei verschleudert und dann losgeheuchelt, die Beamten seien Schuld an der finanziellen Misere des Landes. Und erneut bin ich Herrn Speer  dankbar. Die Einmalzahlung – gemeint ist das Weihnachtsgeld - ist futsch!  Aber eines unserer Millonengräber, die Cargo-Lifter-Halle, ach nein, jetzt Tropical Islands, wird weiter subventioniert. Neues Urlaubsmotto: In den Süden fliegen ist nicht mehr, jetzt muss die Niederlausitz her.

Und dann setzen Volksvertreter wie Frau Saskia Funk (CDU) noch eins drauf. Nicht nur, dass sie schon vor der ersten Lesung mit Scheinbegründungen für den Wortbruch aufwartet, die nicht einmal Herrn Speer einfallen würden, nein, sie geht noch einen Schritt weiter.

Der Vorwurf der bloßen „ …Besitzstandswahrung von Interessengruppen ….“ ist wenig seriös. 

Beamtenarbeit im Allgemeinen und Innere Sicherheit im Besonderen sind im engeren Sinne sicherlich keine wertschöpfenden Tätigkeitsprofile, aber ohne eben diese Arbeit gäbe es auch keine Lebensordnung.

Ich bin als Vollzugsbeamter dankbar, daran erinnert zu werden, dass meine Lebensaufgabe darin besteht, meinem Land hingebungsvoll zu dienen. Daran soll es nicht liegen. Mir fällt es nur zunehmend schwer zu akzeptieren, dass ich von meinen Volksvertretern nicht mehr vertreten sondern zunehmend getreten werde.

Wen wundert es, wenn sich - Gott sei Dank vereinzelt - Kollegenfinden, die in Bezug auf das besondere Vorkommnis in Siegburg etwa wie folgt einlassen: wir haben mal wieder Pech gehabt in Brandenburg. Solch ein Vorfall führt neben viel Aufregung auch zu einem völligen Sinneswandel der Politik und plötzlich ist alles wieder gut.  Diese Auffassung macht mich wütend, sie ist ein Schlag ins Gesicht der Kollegen in Siegburg. Beispielweise müssten es die Kollegen vom Görden besser wissen, sitzen hier doch seit zwei Jahren Kollegen auf dem Pulverfass „Straf- und Disziplinarverfahren“, und alle Verantwortlichen tun so, als hätte es seinerzeit die große Aufregung nie gegeben.

Gegen einen - auch unbeabsichtigten - Werteverfall bei meinen Kollegen kann ich angehen, bei der Politik hingegen packt mich zunehmend die Verzweifelung. Da ist für Dankbarkeit dann kein Platz mehr.