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Das
Gesicht der Anstalt beginnt sich zu verändern – der Umbau wird für jeden
deutlich sichtbar!
Bedienstete, Gefangene, Besucher und
Kunden der JVA Brandenburg müssen in den nächsten Jahren mit vielen
Provisorien leben. Die Überbauung der Anstalt bei laufendem Betrieb nimmt
greifbare Züge an. Das Symbol der Anstalt, die rotgetünchten
Verwaltungsgebäude aus den 70er Jahren sind leergezogen und müssen dem
Neubau des Eingangsbereiches weichen.
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| Die roten
Verwaltungsbauten – das Gesicht der Anstalt |
Mit „leeren“
Augen harrt das Verwaltungsgebäude seinem Schicksal |
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| Der
provisorische Eingangsbereich bei Baubeginn |
Das markante
historische Zugangstor wird mit einem Gitterzaun verschlossen. |
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| Eine
bedrohliche, aber notwendige Maßnahme, ein Durchbruch in der alten
Anstaltsmauer |
Die
Umzugskisten sind gepackt |
Wer nach Brandenburg in die
Anton-Saefkow-Allee kam, dem sind die dunkelroten Verwaltungsgebäude der
Vollzugsanstalt in Erinnerung geblieben.
Jetzt sind diese Gebäude leergezogen und
warten auf den Abrissbagger und Sprengstoffladungen. Die markanten Gebäude
weichen einem modernen Verwaltungsbau und der neuen Linienführung der
Anstaltsmauer.
Im Rahmen des Mitte der 90er Jahre
beschlossenen Bauprogramms für den Justizvollzug im Land wird als letzte
Etappe jetzt die JVA Brandenburg modernisiert oder wie es bautechnisch heißt
– überbaut. Novum für den Vollzug in Brandenburg ist, dass dies bei
laufendem Betrieb passiert. Die anderen Anstalten in Brandenburg waren für
den Umbau geschlossen oder wurden komplett neu gebaut. Dieser Komplettumbau
einer großen Anstalt, die am Netz bleibt dürfte auch in der gesamten
Bundesrepublik nicht viele Vorgänger haben.
Das brachte schon bisher Widerlichkeiten mit
sich für Arbeiten, von denen man heute nichts mehr sieht, weil es um die
technischen Versorgungsleitungen ging, die jetzt neu in der Erde liegen.
Jetzt wird es Ernst mit den Baumaßnahmen,
die das Gesicht der Anstalt neu mitprägen werden. Das heißt zunächst aber
erst einmal, jeder Hausbesitzer kennt das, Widerlichkeiten, die nicht zu
umgehen sein werden.
Für die Verwaltungsmitarbeiter heißt das
zunächst, alles einpacken und in einen alten Containerbau auf dem
Anstaltsgelände umziehen. Nicht wenige Betroffene ereilt so der ungewohnte
Umstand, richtig hinter die große Mauer und durch das halbe Gefängnis zu
müssen, um an den eigenen Schreibtisch zu gelangen. Damit gibt es jetzt
Gefängnis pur für alle, von der Poststelle bis zum Anstaltsleiter.
Dies ist aber nur ein kleiner Teil der
anstehenden Arbeiten, die Hafthäuser werden in einzelnen Abschnitten völlig
entkernt und nach modernden Vollzugsgesichtspunkten gestaltet. Mit
einbezogen in die Umbauten sind auch die Behandlungs- Freizeit- und
Arbeitsbereiche für die Gefangenen. Mithin wird jeder Bedienstete mindestens
einmal umziehen müssen. Ein ausgeklügelter Ablaufplan soll die Verwirrung,
den Stress und die unausweichliche Mehrbelastung in Grenzen halten.
Trotzdem wird es natürlich viele Belastungen
geben, an die heute noch kein Gedanke verschwendet wurde. Das liegt auch
daran, dass es eben wenig Erfahrungen mit solch umfangreichen Baumaßnahmen
in einer aktiven Anstalt hat. Die Zahl der Bauarbeiter und Planer wird den
Personalbestand kleiner Anstalten übersteigen, da dezentral an mehreren
Orten gleichzeitig gearbeitet wird. Der Fahrzeugverkehr wird kaum
ausrechenbar sein. Baumaschinen und arbeitende Handwerker werden mit ihrem
naturgemäßem Lärm die Geduld der Bediensteten wie der Gefangenen auf eine
harte Probe stellen. Auch für diese gab es mit vorbereitenden Stemm- und
Verlegearbeiten in der Vergangenheit schon hohe Belastungen. Wenn in einer
Langstraferanstalt Bereiche komplett beräumt werden, dann sind in der Natur
der Sache liegend, auch hier Aufgeregtheiten zu erwarten. Da wird es eines
großen Einfühlungsvermögens bedürfen, Tagesabläufe sinnvoll zu organisieren.
Überhaupt wird dieser Umbau der Belegschaft ein hohes Maß an
Professionalität im Umgang mit unvorhersehbaren Situationen abverlangen und
an Improvisationskunst nicht gekannte Maßstäbe setzen.
Diese gesamte Bebauung wird insbesondere
auch dadurch brisant, da kein Kollege, der in dieser Zeit aus dem Dienst
ausscheidet ersetzt werden wird. Ob und in welcher Form die Anstalt wie
heute vermeintlich auch noch so etwas wie die natürliche Personalreserve des
brandenburgischen Vollzuges darstellt, darf schon jetzt sehr bezweifelt
werden.
Wenn zu den Baubelastungen auch noch eine
Arbeitsverdichtung dazu kommt, weil kein qualifiziertes Personal für die
Betreuung der Gefangenen zur Verfügung steht, dann hilft ach eine moderne
Anstalt nicht. Wenn die Anstalt einen Störfall in schlimmster Konsequenz nur
noch mit der Kamera verfolgen kann, dann war die politische Vorarbeit
mangelhaft.
Aber völlig unabhängig von diesen
Baumaßnahmen zeigt sich schon jetzt, dass am organisatorischen Umbau weiter
gearbeitet werden muss. Hier ist konzeptionell und unabhängig vom
politischen Tageswillen an einem modernen Vollzug zu arbeiten, wo
differenziert behandelt werden kann bei denen, die dies auch wollen und wo
Freiheitsentzug und Schutz der Allgemeinheit praktiziert werden kann, wenn
es nicht anders geht.
Dazu gehört dann auch, dass mit dem Ende der
Baumaßnahmen moderner Vollzug Trennung möglich macht. Trennung von Erst- und
Wiederholungstätern, Trennung von Behandlungswilligen von
Behandlungsunwilligen. Dieser Vollzug muss dann aber auch Behandlung in
vielen Bereichen aus eigener Struktur heraus ermöglichen, mit Behandlung,
Weiterbildung, Beschäftigung und verzahnter Nachsorge.
Sonst sind moderne Strafanstalten nur
potemkinsche (Behandlungsdörfer).
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