Home Nach oben Landesverbände meisterhaft Gästebuch Anstalten Suchen

Aktuelles
Archiv
Beihilfe
Bundesverband
Mitgliedschaft
Ortsverbände
Portrait
Recht/ Gesetze
Seminare
Struktur
Vorstand

Besucher:

seit 01.04.2001

 

 

 

 

 Das Gesicht der Anstalt beginnt sich zu verändern – der Umbau wird für jeden deutlich sichtbar!

 

Bedienstete, Gefangene, Besucher und Kunden der JVA Brandenburg müssen in den nächsten Jahren mit vielen Provisorien leben. Die Überbauung der Anstalt bei laufendem Betrieb nimmt greifbare Züge an. Das Symbol der Anstalt, die rotgetünchten Verwaltungsgebäude aus den 70er Jahren sind leergezogen und müssen dem Neubau des Eingangsbereiches weichen.

 

Die roten Verwaltungsbauten – das Gesicht der Anstalt Mit „leeren“ Augen harrt das Verwaltungsgebäude seinem Schicksal
   
Der provisorische Eingangsbereich bei Baubeginn Das markante historische Zugangstor wird mit einem Gitterzaun verschlossen.
   
Eine bedrohliche, aber notwendige Maßnahme, ein Durchbruch in der alten Anstaltsmauer Die Umzugskisten sind gepackt

 

Wer nach Brandenburg in die Anton-Saefkow-Allee kam, dem sind die dunkelroten Verwaltungsgebäude der Vollzugsanstalt in Erinnerung geblieben.

Jetzt sind diese Gebäude leergezogen und warten auf den Abrissbagger und Sprengstoffladungen. Die markanten Gebäude weichen einem modernen Verwaltungsbau und der neuen Linienführung der Anstaltsmauer.

Im Rahmen des Mitte der 90er Jahre beschlossenen Bauprogramms für den Justizvollzug im Land wird als letzte Etappe jetzt die JVA Brandenburg modernisiert oder wie es bautechnisch heißt – überbaut. Novum für den Vollzug in Brandenburg ist, dass dies bei laufendem Betrieb passiert. Die anderen Anstalten in Brandenburg waren für den Umbau geschlossen oder wurden komplett neu gebaut. Dieser Komplettumbau einer großen Anstalt, die am Netz bleibt dürfte auch in der gesamten Bundesrepublik nicht viele Vorgänger haben.

Das brachte schon bisher Widerlichkeiten mit sich für Arbeiten, von denen man heute nichts mehr sieht, weil es um die technischen Versorgungsleitungen ging, die jetzt neu in der Erde liegen.

Jetzt wird es Ernst mit den Baumaßnahmen, die das Gesicht der Anstalt neu mitprägen werden. Das heißt zunächst aber erst einmal, jeder Hausbesitzer kennt das, Widerlichkeiten, die nicht zu umgehen sein werden.

Für die Verwaltungsmitarbeiter heißt das zunächst, alles einpacken und in einen alten Containerbau auf dem Anstaltsgelände umziehen. Nicht wenige Betroffene ereilt so der ungewohnte Umstand, richtig hinter die große Mauer und durch das halbe Gefängnis zu müssen, um an den eigenen Schreibtisch zu gelangen. Damit gibt es jetzt Gefängnis pur für alle, von der Poststelle bis zum Anstaltsleiter.

Dies ist aber nur ein kleiner Teil der anstehenden Arbeiten, die Hafthäuser werden in einzelnen Abschnitten völlig entkernt und nach modernden Vollzugsgesichtspunkten gestaltet. Mit einbezogen in die Umbauten sind auch die Behandlungs- Freizeit- und Arbeitsbereiche für die Gefangenen. Mithin wird jeder Bedienstete mindestens einmal umziehen müssen. Ein ausgeklügelter Ablaufplan soll die Verwirrung, den Stress und die unausweichliche Mehrbelastung in Grenzen halten.

Trotzdem wird es natürlich viele Belastungen geben, an die heute noch kein Gedanke verschwendet wurde. Das liegt auch daran, dass es eben wenig Erfahrungen mit solch umfangreichen Baumaßnahmen in einer aktiven Anstalt hat. Die Zahl der Bauarbeiter und Planer wird den Personalbestand kleiner Anstalten übersteigen, da dezentral an mehreren Orten gleichzeitig gearbeitet wird. Der Fahrzeugverkehr wird kaum ausrechenbar sein. Baumaschinen und arbeitende Handwerker werden mit ihrem naturgemäßem Lärm die Geduld der Bediensteten wie der Gefangenen auf eine harte Probe stellen. Auch für diese gab es mit vorbereitenden Stemm- und Verlegearbeiten in der Vergangenheit schon hohe Belastungen. Wenn in einer Langstraferanstalt Bereiche komplett beräumt werden, dann sind in der Natur der Sache liegend, auch hier Aufgeregtheiten zu erwarten. Da wird es eines großen Einfühlungsvermögens bedürfen, Tagesabläufe sinnvoll zu organisieren. Überhaupt wird dieser Umbau der Belegschaft ein hohes Maß an Professionalität im Umgang mit unvorhersehbaren Situationen abverlangen und an Improvisationskunst nicht gekannte Maßstäbe setzen.

Diese gesamte Bebauung wird insbesondere auch dadurch brisant, da kein Kollege, der in dieser Zeit aus dem Dienst ausscheidet ersetzt werden wird. Ob und in welcher Form die Anstalt wie heute vermeintlich auch noch so etwas wie die natürliche Personalreserve des brandenburgischen Vollzuges darstellt, darf schon jetzt sehr bezweifelt werden.

Wenn zu den Baubelastungen auch noch eine Arbeitsverdichtung dazu kommt, weil kein qualifiziertes Personal für die Betreuung der Gefangenen zur Verfügung steht, dann hilft ach eine moderne Anstalt nicht. Wenn die Anstalt einen Störfall in schlimmster Konsequenz nur noch mit der Kamera verfolgen kann, dann war die politische Vorarbeit mangelhaft.

Aber völlig unabhängig von diesen Baumaßnahmen zeigt sich schon jetzt, dass am organisatorischen Umbau weiter gearbeitet werden muss. Hier ist konzeptionell und unabhängig vom politischen Tageswillen an einem modernen Vollzug zu arbeiten, wo differenziert behandelt werden kann bei denen, die dies auch wollen und wo Freiheitsentzug und Schutz der Allgemeinheit praktiziert werden kann, wenn es nicht anders geht.

Dazu gehört dann auch, dass mit dem Ende der Baumaßnahmen moderner Vollzug Trennung möglich macht. Trennung von Erst- und Wiederholungstätern, Trennung von Behandlungswilligen von Behandlungsunwilligen. Dieser Vollzug muss dann aber auch Behandlung in vielen Bereichen aus eigener Struktur heraus ermöglichen, mit Behandlung, Weiterbildung, Beschäftigung und verzahnter Nachsorge.

Sonst sind moderne Strafanstalten nur potemkinsche (Behandlungsdörfer).