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Es muss etwas geschehen damit nichts mehr passiert ! (02/2002)

Kommentar:

Am 21.12.2001 kam es auf der Rückfahrt eines GTW von der JVA Luckau zur JVA Brandenburg a.d.H. zu einem folgenschweren Unfall. Inmitten des Verkehrschaos im schneeverwehten Land mit seinen vereisten Straßen bricht der GTW aus und prallt beifahrerseitig gegen einen Straßenbaum.

Die Besatzung des GTW, zwei Kollegen des AVD, wurden dabei zum Teil schwer verletzt.

Der Fahrer erleidet einen Brustbeinbruch und diverse Prellungen. Dem Beifahrer wird das rechte Fußgelenk gebrochen, die Bänder werden überdehnt, schwere Schnittverletzungen im Gesicht machen eine mehrstündige OP nötig, ein Arterienriss in der Nase wird nach großem Blutverlust in einer dritten OP versorgt.

Das kann bei solchen Witterungen auch routinierten Fahrern widerfahren.

 

Wer ist schuld? Natürlich der Fahrer! Zu schnell gefahren ist der heimliche Vorwurf, den Witterungsverhältnissen nicht angepasste Fahrweise heißt es im Polizeibericht. Da ist sicher auch immer etwas dran, das muss ich schon eingestehen!

Aber:

Ursächlich für die schweren Verletzungen des Beifahrers ist auch das Fehlen mimimalster Sicherheitsvorkehrungen in unseren Transportern.

Wenn solche Fahrzeuge noch immer ohne Airbags unterwegs sind, dann ist das grob fahrlässig.

Wenn solche Fahrzeuge ohne Servolenkung fahren, dann ist das technische Steinzeit.

Wenn solche Fahrzeuge ohne Winterbereifung täglich auf die Straße müssen, dann ist das verantwortungslos.

Wenn das Sicherheitspaket in unseren Transportern ausschließlich in Gurten besteht, dann ist man in solchen Fahrzeugen besser Gefangener.

Tragisch wird das alles, wenn man bedenkt, dass insbesondere der angeschnallte Beifahrer seine schweren Verletzungen auch deshalb erleiden musste, weil er ungebremst mit dem Gesicht auf den Beobachtungsmonitor aufgeschlagen ist.

Schlimm war aber insbesondere auch die menschliche Seite, wie mit den Kollegen aus dienstlicher Sicht umgegangen wurde.

Wenigstens LAV und Kollegen haben sich um die beiden gekümmert.

Nach Gesprächen mit Fahrdienstkollegen, habe ich den Eindruck, baut sich das Bild auf – alles halb so wild, nur Beamte betroffen! Oder – schade, wäre auch ein Gefangener betroffen, würde sich vielleicht schnell etwas ändern!

Das Schweigen der Dienststellenleitung in den ersten 14 Tagen wird insbesondere von den Fahrdienstkollegen sehr sensibel registriert. Und bei solchen Worten wie Verantwortung oder Fürsorgepflicht des Dienstherren gibt es im höflichen Fall ein ironisches Lächeln.

Wenn über Sicherheit im Vollzug des Landes gesprochen wird, dann hat an solch banale Dinge wie Servolenkung, ABS oder Winterreifen kaum einer gedacht, zugegeben auch ich nicht, weil ich es für schlicht unmöglich gehalten habe, dass tagtäglich Kollegen mit Fahrzeugen unterwegs sind, deren technische Ausstattung so schlecht ist, dass ich privat ein solche Sicherheitsruine keinen Meter mehr fahren würde.

Und wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen aus dem Ministerium zu erfahren war, ist man über den Ausstattungsstandart der Fahrzeuge natürlich unterrichtet – und lässt die Anstalten und die Fahrdienstkollegen im Regen bzw. Schnee stehen.

Und nach meinem Kenntnisstand werden auch Neuanschaffungen nicht über ein Sicherheitspaket verfügen, auch das betroffene Fahrzeug war noch nicht alt.

Da ich ja aus der pädagogischen Ecke komme, frage ich mich, ob die Erwartungshaltung der Kollegen bestätigt wird oder ob vielleicht doch etwas geschieht, damit so etwas nicht mehr passiert!

 

Burghard Neumann

stellv. Landesvorsitzender