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Pressemitteilung
Kosteneinsparung oder
Demokratieabbau?
Petke fordert weniger Personalvertreter und ignoriert nicht nur die
tatsächliche Gesetzeslage, sondern auch die reale Praxis.
Mit Verwunderung muss der BSBD Brandenburg zur Kenntnis nehmen, dass nicht
nur der Finanzminister für die sonderbarsten Sparvorschläge gut ist, sondern
auch der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion diese Methode für
sich entdeckt.
Bisher ging es um den Abbau von Stellen im öffentlichen Dienst ohne
Rücksicht auf die zu erfüllenden Aufgaben. Auch die Besoldung, Vergütung und
Entlohnung der Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung ist – entgegen so
mancher medialen Behauptung – keinesfalls mehr großer Anreiz, sich um ein
Amt in der Landesverwaltung zu bemühen, zumal das Land kaum noch ausbildet
oder neue Mitarbeiter einstellt. Auch hier setzen die politisch
verantwortlichen immer wieder die Sparschere an.
Der CDU-Politiker Sven Petke geht aber weiter, obwohl er wissen müsste, dass
Personalratstätigkeit nun wirklich keine Lorbeeren für die Bediensteten
einbringt, die sich hier engagieren. Stellen für Personalvertreter – und das
dürften zumindest die Politiker wissen, die mit Haushaltsfragen befasst sind
- gibt es nicht. Personalratsarbeit ist dienstliche Tätigkeit, und zwar
nicht nur zum Wohle der Beschäftigten, sondern auch im Interesse der
jeweiligen Dienststellen. Davon profitieren sowohl die Spitzen in den
einzelnen Ressorts als auch die Politiker im Landtag. Eine gesonderte
Bezahlung – wie etwa bei den Betriebsräten von VW – ist nicht vorgesehen,
auch nicht für freigestellte Mitglieder, die ihr altes Gehalt weiter
erhalten. Ebenso wenig erhalten die Personalvertreter Bonuszahlungen oder
Zuschläge. Insofern ist der von Petke behauptete Aufwand von jährlich 7
Millionen Euro („ohne Reise-, Büro- und Tagungskosten“) wohl mehr aus der
Luft gegriffen als berechnet.
Offenbar geht es hier auch gar nicht um irgendwelche Kosten. Derzeit laufen
im Land Brandenburg die Personalratswahlen. Personalvertreter – wenn sie
denn engagiert ihre Aufgaben wahrnehmen – können für so manchen „Regenten“
in Ministerien und Dienststellen sehr unbequem sein, achten sie doch darauf,
dass in allen Entscheidungen der Dienststellenleitungen Gesetze, rechtliche
Vorgaben und auch tarifliche Regelungen insbesondere für das Personal ihre
Beachtung finden. Das scheint so machen Vorgesetzten nicht zu passen, der
meint, nur er allein sei immer im Recht und seine Entscheidungen unfehlbar.
Petke verkündet, angeblich Kosten sparen zu wollen. Aber eigentlich geht es
darum, die wenigen Bediensteten, die überhaupt noch bereit sind,
Personalratsarbeit zu leisten, in ihren Möglichkeiten so einzuschränken,
dass „innerdienstliche Mitbestimmung“ nicht mehr machbar und der Willkür Tür
und Tor geöffnet ist.
Dies schadet aber auch der Erfüllung der Aufgaben, die den jeweiligen
Dienststellen gestellt sind, denn der Grundsatz
personalvertretungsrechtlicher Arbeit ist die Zusammenarbeit mit der
Dienststellenleitung „zur Erfüllung der dienstlichen Aufgaben und zum Wohl
der Beschäftigten“ (Personalvertretungsgesetz für das Land Brandenburg § 2
Abs. 1).
Wenn Petke jetzt artikuliert, dass das Personalvertretungsrecht geändert
werden soll, dann zielt das eindeutig auf erhebliche Einschränkungen und
Erschwernisse für die Mitarbeitervertretungen - anders gesagt: auf einen
Abbau demokratischer Errungenschaften bis hin zu deren Liquidierung, also
Absolutismus selbst im kleinsten „Herrschaftsbereich“.
Wann, Herr Petke, soll die Abschaffung der Gewerkschaften oder auch der
Opposition im Landtag folgen?
Ist das alles tatsächlich auch von der gesamten CDU-Fraktion gewollt – oder
wieder nur Einzelmeinung?
Willi Köbke
Landesvorsitzender
(auch Personalvertreter im Geschäftsbereich des MdJ)
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