Berliner Morgenpost
Redaktion Leserbriefe
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per E-Mail -
Potsdam, 30. Oktober 2008
Zum
Artikel „Berliner Journalisten ausgezeichnet“ vom 30.10.08 Seite 15
Entscheidung nur nach mediale Wirkung und nicht nach Wahrheitsgehalt
Sehr geehrte
Redaktion,
dem von dpa
übernommenen Beitrag ist zu entnehmen, dass die RBB-Reporterin Gabi Probst
durch den Verein VBJ mit dem Journalistenpreis „Der lange Atem“ geehrt
wurde. Der Verein und die verantwortliche Jury führten als Grund ihre
Berichterstattung über (angebliche) Missstände in Gefängnissen an.
Für die
Mitglieder des BSBD Brandenburg und mich als Landesvorsitzenden ist
gerade diese Berichterstattung - insbesondere zu den angeblichen Übergriffen
von Bediensteten auf Gefangene - ein Beispiel dafür, wie mittels
gezielter Kampagne auf Grundlage von einigen sehr fragwürdigen Aussagen
ehemaliger Gefangener unter Aussparung realer Sachverhalte ein ganzer
Berufsstand diskreditiert wurde.
Nachdem
selbst die Staatsanwaltschaft zu der Überzeugung gekommen ist, dass die
Vorwürfe unzutreffend sind, und die 4. Strafkammer des Landgerichts Potsdam
ein strafrechtlich relevantes Handeln der betroffenen Bediensteten nicht
feststellen konnte und somit durch den Freispruch die in besagten Beiträgen
von Frau Probst dargestellten angeblichen Missstände in den Bereich der
Fantasie verwiesen hat - das dürfte wohl doch auch dem VBJ nicht
verborgen geblieben sein - bleibt für unsere Mitglieder und mich die Frage:
Wofür wird denn dieser Preis vergeben? Offensichtlich wohl nicht
für eine wahrheitsgetreue und neutrale Darstellung realer Sachverhalte.
Wenn aber die
„Hartnäckigkeit“ darin gipfelt, dass auf die im Laufe des Verfahrens immer
deutlicher werdende Haltlosigkeit der Vorwürfe mit immer skurrileren
Beiträgen versucht wird, die Mitglieder der Strafkammer unter medialen
Druck zu setzen, bleibt nicht nur vom Berufsethos der Journalisten und
Reporter vieles auf der Strecke, sondern es stellt auch ein sehr
zweifelhaftes Rechtsverständnis unter Beweis.
Fühlt man
sich hier als 4. Gewalt im Staate? Ist es das, was der VBJ mit dieser
Preisverleihung dokumentieren will? Entscheidet die Jury nur nach
Zielrichtung, mediale Wirkung und nicht erkennbarer „Schönheit“ der Story
und opfert dafür den Wahrheitsgehalt?
Mit
freundlichen Grüßen
Willi Köbke
Landesvorsitzender
BSBD
Brandenburg |