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Politische Vision trifft
auf praktische Erfahrung
Strafvollzugsbedienstete
im Gespräch mit Vertretern der politischen Legislative zu Problemen des
Strafvollzuges und der realen Situation der Bediensteten in den
Strafvollzugseinrichtungen
Im Verlauf eines Gesprächs mit dem Landtagsabgeordneten der
Fraktion Linkspartei.PDS
Stefan Sarrach
bot dieser an, einen Besuch von Mitgliedern des BSBD Brandenburg im
Landtag über deren Verwaltung anzumelden und hierbei auch ein Gespräch mit
Mitgliedern des Rechtsausschusses zu organisieren. Dieses Angebot hat der
Vorstand aufgegriffen und über die Ortsverbände interessierte Mitglieder zur
Teilnahme unter dem Aspekt der politischen Bildung angeregt. Während durch
den Abgeordneten die formalen Verfahrensschritte realisiert wurden, gelang
es dem Landesvorsitzenden Willi
Köbke in einem Gespräch mit der parlamentarischen
Geschäftsführerin und zugleich finanzpolitischen Sprecherin der CDU,
Saskia Funck, ihre Bereitschaft zu erwirken, nach dem Gespräch mit den
Rechtspolitikern der Fraktionen den teilnehmenden Mitgliedern des BSBD
zur Problematik ihrer Position im aktuellen Streit zur Streichung des
Weihnachtsgeldes für die Landesbeamten darzulegen.
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Landtag Brandenburg Eingang |
Die Teilnehmer des BSBD im Plenarsaal |
Am 12. Dezember 2006 trafen sich dann ungefähr 25
Mitglieder aus fast allen Ortsverbänden vor dem Landtagsgebäude. Eine
Mitarbeiterin der Landtagsverwaltung übernahm die BSBD-Delegation und
erläuterte den Kolleginnen und Kollegen nicht nur die bauliche Historie des
Landtagsgebäudes und dessen ereignisreiche Geschichte, sondern auch
Grundprinzipien der parlamentarischen Arbeit. Anschließend führte sie die
Teilnehmer durch das Gebäude des Landtags. Im Tagungssaal informierte sie
dann zu den üblichen Abläufen einer Landtagssitzung. Interessiert verfolgten
die Teilnehmer ihren Ausführungen und begutachteten die Einrichtung und
Ausstattung des Sitzungssaales, in dem am 13., 14. und 15. Dezember u.a.
auch zum Landeshaushalt 2007 entschieden werden sollte.
Nach dem Mittagsessen in der Kantine des Landtages standen
dann die Rechtspolitiker
Stefan Sarrach (Linkspartei.PDS)
- zugleich Organisator dieser Veranstaltung -, Frank Werner (CDU)
und Ralf Holzschuher (SPD) der Delegation zu ihren Positionen
hinsichtlich der derzeitigen Strafvollzugspolitik im Land Brandenburg zur
Verfügung. In der regen Diskussion lagen die Schwerpunkte bei:
-
Notwendigkeiten
hinsichtlich der erforderlichen Haftplatzkapazitäten und deren
regionale Verteilung,
-
aufgabenangemessene
Personalausstattung,
-
Bedeutung einer
wirksamen Behandlung der Gefangenen zur Senkung der
Rückfallkriminalität im Interesse der Erhöhung der öffentlichen
Sicherheit,
-
Anforderungen an eine
anspruchsvolle, die Realitäten berücksichtigende Strafvollzugs- und
Jugendstrafvollzugsgesetzgebung sowie deren personelle und finanzielle
Konsequenzen,
-
motivationsfördernde
Dienstrechtsgestaltung,
-
diverse Probleme in den
einzelnen Vollzugseinrichtungen.
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Frank Werner (CDU),
Stefan Sarrach (Linkspartei.PDS). Ralf Holzschuher (SPD),
Mitarbeiterin der Landtagsverwaltung, Dörthe Hilbig und Willi Köbke (BSBD)
in der Diskussion |
Die Kolleginnen und Kollegen konnten anhand der Aussagen der
Vertreter der Parteien einen persönlichen Eindruck von den politischen
Ausrichtungen der Landtagsparteien zum Strafvollzug und den Positionen zu
den Notwendigkeiten der Rechtspolitik, aber auch zu den Problemen der
Bediensteten gewinnen. Es dürfte wohl kein Geheimnis sein, dass sich diese
mit den Einschätzungen des BSBD Brandenburg deckten. Leider war die
Zeit wegen des nachfolgenden Gesprächs mit Frau Funck, aber auch des
Zeitrahmens der anwesenden Politiker - schließlich stand am nachfolgenden
Tag die Landtagssitzung an - sehr begrenzt und deshalb konnten viele
interessante Sachverhalte nicht vertieft werden.
Mit kurzzeitiger Verzögerungen - die Landtagsabgeordnete
wartete auf die Delegation in einem anderen Raum, als die Verwaltung
vorgesehen hatte - konnte der Landesvorsitzende die CDU-Landtagsabgeordnete
Saskia Funck im Kreis der Teilnehmer begrüßen. Frau Funck hatte sich
den Unmut aller Beschäftigten in der Landesverwaltung zugezogen, als sie in
einer Pressemitteilung die Streichung des Weihnachtsgeldes für die
Landesbeamten als finanzpolitisch zwingend und zugleich als eine politische
Forderung der Landes-CDU deklarierte. In ihren einführenden Worten
begründete sie ihre Haltung. Dass die anwesenden Kolleginnen und Kollegen
hier eine andere Auffassung hatten, lag bestimmt nicht an deren mangelnder
Einsicht in finanzpolitische Zwänge, sondern eindeutig darin, dass einmal
mehr der intelligente, aber aufwendigere Weg zu Einsparungen ersetzt wurde
durch die einfache Methode des Zugriffs auf die Besoldung der nach dem
Gesetz zur Loyalität verpflichteten Beamten, die eben nicht die Möglichkeit
zu Arbeitskampfmaßnahmen haben.
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Saskia Funck (CDU)
verteidigt ihre Position vor den BSBD-Mitgliedern |
In der Diskussion fielen sehr harte Worte des Vorwurfs und es
kann auch die Landtagsabgeordnete Saskia Funck den Teilnehmern nicht
verwehren, dass sie sich von der Politik verlassen fühlen, die den
Einsatz ihrer vollen Kraft für die Aufgabenerfüllung selbst bei Gefährdung
ihrer Gesundheit einfordert, dann aber immer stärker Eingriffe in die
materielle sprich finanzielle Honorierung der Leistungen vornimmt. Wie es
sich der Dienst- und Treuepflicht geziemt haben die Kolleginnen und Kollegen
sich in ihren Äußerungen sehr zurückgehalten, auch matschige Tomaten, faule
Eier und Farbbeutel sind für unsere Mitglieder keine Argumente, um Unmut
auszudrücken. Aber wäre es nicht tatsächlich angebracht, sich darüber
Gedanken zu machen, ob die politische Linie dann noch richtig ist,
wenn die gesamte Mitarbeiterschaft im öffentlichen Dienst - und nicht
nur Verbandsfunktionäre, die zumindest im BSBD ehrenamtlich tätig sind -
verbal die Gefolgschaft verweigert?
An dieser Stelle sei nochmals allen Abgeordneten gedankt, die
sich den Fragen, Meinungen und Unmutsäußerungen der Vertreter des BSBD
Brandenburg gestellt haben. Dies erkennen wir sehr wohl an. Gleichwohl
hoffen wir, dass die dargelegten Meinungen und Positionen von Mitarbeitern
an der Basis zumindest zum Nachdenken darüber anregen, ob der politisch
gewollte Weg tatsächlich realistisch und umsetzbar ist. Insofern glaubt der
Vorstand, dass dieser Besuch im Landtag verbunden mit den Gesprächen mit
verantwortlichen Politikern nicht einfach eine Erlebnistour war, sondern für
die Teilnehmer des BSBD aber auch die Landtagsabgeordneten viele Anstöße zum
Nachdenken über vollzugspolitische Probleme gab.
Unser besonderer Dank
gilt abschließend noch Herrn
Stefan Sarrach,
der den Anstoß gab, aber auch die Organisation für diese Veranstaltung
übernahm. Unsere Meinung allgemein: Die Konfrontation der
Landtagspolitiker mit Praktikern sollte immanenter Bestandteil der
parlamentarischen Arbeit werden.
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