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Solidarpakt
2003
Liebe Kolleginnen und Kollegen !
Die von 5 Mitgliedern beantragte und von weiteren 12 Mitgliedern unterstütze
außerordentliche Hauptvorstandssitzung des dbb brandenburg zum Thema
Solidarpakt 2003 hat am 16. Dezember 2003 in Potsdam stattgefunden.
Hierbei standen die zwei Kernprobleme des Solidarpakts im Mittelpunkt:
· Der
Sozialtarifvertrag für die Arbeitnehmer in der Landesverwaltung
·
Die Kürzungsvorhaben bei den Landesbeamten.
Zu beiden Problematiken gab es umfangreiche und heftige
Auseinandersetzungen, deren Ergebnisse nicht in jedem Fall befriedigen
können. Völlig verfehlt ist es, im Zusammenhang mit Einkommenseinbußen bei
den Beschäftigten von "Erfolgen" zu sprechen – hier geht es ganz einfach nur
darum, "Schadensbegrenzung" zu erreichen und dazu alle Möglichkeiten, die
dem dbb brandenburg und den Mitgliedsgewerkschaften gegeben sind, zu nutzen.
Der Sozial-Tarifvertrag für die Angestellten und Arbeiter in der
Landesverwaltung hat bei Unterzeichnung und Inkraftsetzung zur Folge, dass
die monatliche Vergütung je nach Vergütungs- bzw. Lohngruppe um
1,25 % bis 7,5 % - das sind ca. 17 bis 390 Euro monatlich –
abgesenkt wird. Im Gegenzug wird die wöchentliche
Arbeitszeitverpflichtung gestaffelt um 0,5 bis 3 Stunden reduziert.
Dies ist jedoch kein Entgegenkommen der Landesregierung, sondern lediglich
die tariflich zwingende Voraussetzung, um überhaupt Gehaltskürzungen
vornehmen zu können. Gleichzeitig werden betriebsbedingte Kündigungen bis
2009 ausgeschlossen – auch Angebot der Landesregierung und gerade deshalb
wohl schlecht als "eigener Erfolg" darstellbar.
Andererseits ist aber auch zu bedenken, dass die angedrohten 1243
betriebsbedingte Kündigungen für 2004 – unabhängig davon, ob sie einer
arbeitsgerichtlichen Prüfung standhalten würden – die Möglichkeit für die
Landesregierung eröffnen, darüber hinaus auch im Rahmen des bis 2007
festgeschriebenen Abbaus von 12 400 Stellen in der Landesverwaltung das
Mittel der betriebsbedingten Kündigung einzusetzen – also die noch
ausstehende Reduzierung um ca. 6000 Stellen auch mittels Kündigungen zu
erreichen.
Unter diesen Aspekten könnte der Abschluss des Sozialtarifvertrages mit
einer Laufzeit von drei Jahren das kleinere Übel sein, bleibt
aber ein Übel und kein Erfolg. So gesehen ist es aber auch
verständlich, dass ca. die Hälfte der angestellten Mitglieder des BSBD
Brandenburg, die sich an der entsprechenden Umfrageaktion beteiligt haben,
für eine Annahme des Sozialtarifvertrages plädieren.
Ergebnis der Umfrage
angestellte
Mitglieder: 79
An der Umfrage beteiligt:
41
für die Annahme:
20
gegen die Annahme:
21
Problematisch ist aus meiner (und auch anderer Landesvorsitzender) Sicht,
dass diese regionale Tarifverhandlung durch die dbb-tarifunion (als zentrale
Organisation auf Bundesebene) geführt wurde und somit die eigentlich
Betroffenen in Form der Tarifvertreter der Mitgliedsgewerkschaften des dbb
brandenburg lediglich ein Beratungsrecht haben, die Letztentscheidung aber
bei der zentralen Tarifkommission der dbb-tarifunion liegt. Dies ist unter
den heutigen Gegebenheiten nicht mehr sach- und situationsgerecht und es
sind über Anträge an den Gewerkschaftstag des dbb brandenburg 2004 in
dieser Hinsicht Strukturänderungen für die Organisation im Tarifbereich
einzufordern. Dieses Fazit hat auch die außerordentliche
Hauptvorstandssitzung des dbb brandenburg gezogen.
Der zweite Schwerpunkt der Hauptvorstandssitzung waren die Vorhaben zu
Einkommenskürzungen bei den Landesbeamten. Es ist zu befürchten, dass
die Landesregierung ihre erweiterte Regelungskompetenz in der Besoldung
sowie der Arbeitszeit nutzt, um hier möglichst viel herauszuholen und
gegebenenfalls das durch die Absenkung der Arbeitszeit im
Arbeitnehmerbereich fehlende Leistungsvolumen durch Mehrbelastung bei den
Beamten auszugleichen. Hierbei ist sie an das Eckpunktepapier ebenso wenig
gebunden wie an eine Beachtung von Einwänden der Gewerkschaften im Rahmen
des beamtenrechtlichen Beteiligungsverfahrens.
Solange der
Sozial-Tarifvertrag noch nicht unterzeichnet ist (Erklärungsfrist bis 31.
Januar 2004), haben die Gewerkschaften und Verbände noch ein Druckmittel in
der Hand, eine rechtlich bindende und über die Landtagswahl 2004 hinaus
gültige und einklagbare Vereinbarung zu den Einsparvorhaben bei den
Beamten von der Landesregierung einzufordern (z.B. in Form einer
schuldrechtlichen Erklärung). Wird dies jedoch verabsäumt, sinken die
Einlußmöglichkeiten erheblich.
Der Hauptvorstand des
dbb brandenburg hat nach ausgiebiger Diskussion beschlossen, die
dbb-Landesleitung zu beauftragen, den Ministerpräsidenten definitiv
aufzufordern, die Vorhaben im Beamtenbereich konkret zu benennen und in
einer rechtsverbindlichen Erklärung zeitgleich mit der Unterzeichnung des
Sozial-Tarifvertrages vorzulegen. Dies ist zwischenzeitlich mit Datum
vom 17.12.2003 erfolgt und mit inhaltlichen Forderungen unterlegt.
Aus meiner Sicht wäre es
erforderlich gewesen, die Forderungen hinsichtlich der Einzelmaßnahmen
noch konkreter zu fassen – so z.B. durch Festschreibung von Untergrenzen
für die Weihnachtsgeldabsenkung und einer Bestandsgarantie über den Zeitraum
der Laufzeit des Tarifvertrages. So wäre gesichert, dass jeder betroffene
Beamte weiß, welche Mindereinkünfte er für einen konkret bestimmten
Zeitabschnitt zu erwarten hat und wie er seine eigene Familienplanung daran
ausrichten muss. Nur die Festschreibung der Gesamteinsparsumme für den
Beamtenbereich auf maximal 50 Millionen Euro pro Jahr lässt keinen Schluss
auf die konkreten monatlichen oder jährlichen Einkommensverluste für den
Einzelnen zu. Auch ist durch Verweis auf das Eckpunktepapier für die
Landesregierung immer noch die Möglichkeit gegeben, innerhalb der Laufzeit
die Absenkungen z.B. beim Weihnachtsgeld zu erhöhen, wenn bei anderen
Maßnahmen - wie beispielsweise die nicht fassbare Größe Altersteilzeit - die
angestrebten Summen nicht erreicht werden. Außerdem sind die Belastungen der
einzelnen Kolleginnen und Kollegen sehr unterschiedlich und teilweise von
nicht vorhersehbaren Ereignissen abhängig (Gesundheitsmaßnahmen – Beihilfe).
Diese Auffassung hat im
Hauptvorstand aber leider keine Mehrheit gefunden.
Auch wenn die
Landesregierung den nun erhobenen Forderungen des dbb brandenburg folgt und
eine rechtsverbindliche Erklärung zeitgleich mit der Unterzeichnung des
Sozial-Tarifvertrages abgibt und unterschreibt, ist nicht auszuschließen,
dass die Gewerkschaften und Verbände zu Protest- und anderen Maßnahmen
greifen müssen, um sich gegen überproportionale Einschnitte bei Bezügen
bzw. einer Erhöhung der dienstlichen Belastung für die Beamten zu wehren.
Deshalb ist auch die Bereitschaft zu Kampf- und Protestmaßnahmen unter den
Beamten im BSBD Brandenburg abgefragt worden. Leider ist aus meiner Sicht
das dabei ausgewiesene Ergebnis nicht besonders erfreulich. Wenn sich
zu viele Kolleginnen und Kollegen auf die Aktionsbereitschaft und die
Aktivität sehr weniger Bedienstete verlassen, werden unsere berechtigten
Interessen seitens des Dienstherrn oder auch des Gesetzgebers kaum oder gar
keine Beachtung finden.
Dies sollte zumindest
noch mal verinnerlicht werden.
Ergebnis der Umfrage
beamtete Mitglieder: 594
an der Umfrage teilgenommen: 144
- Bereitschaft Teilnahme an Demos:
119
- Bereitschaft Teilnahme an Einzelaktionen: 88
- Beteiligung Protestschreiben: 111
- Bereitschaft zu öffentlicher Äußerung: 62
- Bereitschaft Teilnahme Maßnahmen BSBD: 103
Liebe Kolleginnen und Kollegen !
Es gibt im Jahresrückblick auf 2003 nur wenig Positives festzustellen. Es
dürfte auch nicht schwer sein vorherzusehen, dass das kommende Jahr 2004
hinsichtlich der Einkommen und der Arbeitsbelastungen für die Bediensteten
im Strafvollzug des Landes Brandenburg kaum Besserungen bringen wird.
Insofern ist das Engagement des Einzelnen und sein aktives Mitwirken im BSBD
Brandenburg immer bedeutsamer, um überhaupt noch etwas zu erreichen, und da
gibt es außerhalb der Einkommensproblematik noch sehr viele andere Probleme.
Ich möchte es
trotzdem nicht versäumen, allen Mitgliedern unseres Verbandes geruhsame und
besinnliche Stunden zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel sowie den im
Dienst befindlichen Kolleginnen und Kollegen einen möglichst störungsfreien
Dienst zu wünschen.
Ihr Willi Köbke
Landesvorsitzender
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