Tarifstreit endlich gelöst
Endlich ist es
geschafft! Gewerkschaft und Arbeitgeber einigen sich darauf, Löhne und
Gehälter im öffentlichen Dienst stufenweise anzuheben. Ein
bundesweiter Streik ist damit abgewendet. Die Kommunen könnte der
Tarifabschluss allerdings teuer zu stehen kommen.
Der auf 27 Monate Laufzeit gestreckte Tarifvertrag sieht bis zum
31. Januar 2005 eine gestaffelte Erhöhung der Löhne und Gehälter in
drei Stufen vor. Vom ersten Januar 2003 an sollen für untere
Gehaltsgruppen rückwirkend 2,4 Prozent mehr gezahlt werden, in einem
zweiten Schritt sollen obere Gehaltsgruppen im April folgen. Am ersten
Januar 2004 erfolgt für alle Gehaltsgruppen eine weitere Anhebung um
ein Prozent. Im gleichen Jahr steigen die Bezüge im öffentlichen
Dienst zum ersten Mai um noch einmal ein Prozent.
Ostgehälter 2007 auf Westniveau
Zudem wurde die Angleichung der Ostgehälter von derzeit 90 Prozent an
volles Westniveau gesplittet und gegenüber dem Schlichterspruch
zeitlich gestreckt. Die untere Lohngruppen sollen bereits 2007 volles
Westgehalt bekommen. Die oberen Lohngruppen im Osten müssen darauf
noch bis bis 2009 verzichten. Für November und Dezember 2002 soll es
gegenüber dem Bremer Schlichterspruch geringere Einmalzahlungen geben.
Statt 216 sollen nur 185 Euro gezahlt werden. Im letzten Laufzeitmonat
des Tarifvertrages soll eine Einmalzahlung von 50 Euro erfolgen.
Schily und Bsirske zufrieden
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte, die schwierige
Einigung vermeide einen Streik, "der nicht in die wirtschaftliche
Situation hineingepasst hätte". Ver.di-Chef Frank Bsirske fügte hinzu,
in Potsdam hätten die Tarifpartner "an der Schwelle eines Streiks
gestanden, der nun abgewendet scheint". Die große Masse der
Beschäftigten komme mit dem Tarifabschluss an eine Drei vor dem Komma
heran.
Kommunen schmerzt der Tarifabschluss
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes,
Gerd Landsberg, sagte im Info-Radio Berlin-Brandenburg, der
Tarifabschluss werde für Städte und Gemeinden im laufenden Jahr zu
Erhöhungen der Personalausgaben von knapp zwei Prozent führen und
forderte Unterstützung vom Bund.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) nannte den
Abschluss im Deutschlandradio zu hoch und "unfair" für die
ostdeutschen Länder. "Am Ende steht eine Vier vor dem Komma, und das
bedeutet für Sachsen-Anhalt mehr als 100 Millionen Euro zusätzliche
Belastung im Haushaltsjahr. Das wird uns schwer aufstoßen."
Die Vertreter der Kommunen hatten sich von Anfang an für eine
Nullrunde stark gemacht. Noch in der letzten Woche hatte der Präsident
des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Christian Schramm, auf die
katastrophale Finanzlage der Kommunen hingewiesen. Diese befänden sich
in der schwersten Finanzkrise seit Gründung der Bundesrepublik, so
Schramm.
Wirtschaftsexperten warnen vor zu hohem Tarifabschluss
Horst Siebert, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung
zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, warnte im Vorfeld
der Verhandlungen vor den schlimmen Folgen eines hohen
Tarifabschlusses: "Sicher ist, dass jeder Prozentpunkt mehr Lohn 1,7
Milliarden Euro Mehraufwand bedeutet und 60.000 Arbeitsplätze
gefährdet", sagte Siebert der "Bild"-Zeitung.
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW),
Klaus Zimmermann sagte, ein Lohnabschluss nahe drei Prozent würde die
öffentlichen Haushalte über Gebühr belasten. Überdies würde er ein
falsches Signal für die diesjährigen Tarifverhandlungen in anderen
Wirtschaftszweigen setzen. Zurückhaltung bei den Lohnrunden sei weiter
eine wesentliche Voraussetzung für eine Belebung der Konjunktur.
Auch nach Auffassung von Jürgen Kromphardt, Ökonom und einer der
fünf Wirtschaftsweisen der Regierung, müssten die Tariferhöhungen im
öffentlichen Dienst deutlich unter drei Prozent liegen. "Je höher die
Arbeitslosigkeit ist, desto stärker ist die Sicherheit des
Arbeitsplatzes zu gewichten. Von daher muss der öffentliche Dienst bei
den Tariferhöhungen hinter dem Durchschnitt der Tariferhöhungen
deutlich zurückbleiben", sagte Kromphardt der "Financial Times
Deutschland". Der Wirtschaftswissenschaftler gilt als
gewerkschaftsfreundlich.
Damals...
Zuletzt war 1992 im öffentlichen Dienst gestreikt worden. Damals
hatte die Gewerkschaft ÖTV nach zwölf Tagen Ausstand Lohnerhöhungen um
5,4 Prozent durchgesetzt. Gefordert hatte sie zunächst 9,4 Prozent.
*Quelle: freenet.de
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