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Tickende Zeitbomben
Burghard Neumann
Experten
für das Entschärfen von Weltkriegsbomben sind mutige und umsichtige Leute.
Das müssen sie sein, weil sie bei einem Fehler während ihrer Arbeit danach
nicht mehr wortreich darüber diskutieren können, wer Schuld sein könnte.
Wenn ein Sprengmeister zu einer „tickenden“ (Zeit)-Bombe geht, weiß er zwar
nicht, was ihn erwartet, aber er hat sehr klare Vorstellungen davon, was er
wie erreichen will.
In den
letzten Wochen ist wieder einmal oft und viel über Sexualstraftäter und den
Umgang mit ihnen gesagt und geschrieben worden. Auch hier in Brandenburg war
und ist das Thema nicht nur für die Politik besonders brisant geworden. Und
prompt ist passiert, was nicht hätte passieren dürfen und weil dann das
passiert, was immer passiert, wenn das meiste schon vorbei ist. Man sucht
einen Schuldigen.
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Und in dem
Gerangel zwischen Bund- und Länderverantwortung um die Sicherungsverwahrung
geht es erst einmal munter hin und her. Schlussendlich „siegt“ das Land,
denn seit der Föderalismus-Lösung weiß auch das Land Brandenburg um seine
potentielle Macht in solchen Dingen. So weit in märkischen Sand eingegraben
sind wir denn offensichtlich doch nicht. Bundespolitiker feiern irgendwann
ihre schnelle Lösung, obwohl das Ausgangsproblem überhaupt nicht gelöst ist.
Das Land stimmt nicht wirklich in den Jubelchor ein, denn hier ist erkannt,
dass nicht nur für Uwe K. nichts erreicht wurde. Außerdem hatte man sich
weiterreichende Lösungen erwartet. Und für die Stadt Brandenburg scheinen
der große Arbeitgeber wie Vollzugsanstalt oder Maßregel wieder einmal mehr
Fluch als Segen, weil die Landespolitik munter weiter Zeitbomben zum Ticken
bringt.
Nicht nur
in der alten Havelstadt greift ein Gefühl von Unsicherheit um sich. Alles
Quatsch, wird seitens der Landespolitik abgewiegelt und
Polizeiverantwortliche müssen gehorsam den Bürgern einreden, dass ihr
subjektives Sicherheitsgefühl sie täuscht. Dabei ist es offensichtlich, an
allen Enden wird reformiert, also gekürzt. Die Realität ist: Polizisten
werden nur noch als Quotenkassierer bei Verkehrskontrollen wahrgenommen und
Strafvollzugsbeamte werden zu einem Häuflein Aufrechter zusammengestrichen,
deren Youngster in 50-plus-Mannschaften spielen.
So
jedenfalls sieht die Zukunft in Brandenburg aus, jedenfalls wenn
Finanzminister Speer mit seinen Vorstellungen vom verantwortlichen Umgang
mit den Aufgaben des Staates tatsächlich Gehör findet.
Mit
solcher Politik stiehlt sich das Land aus seiner Verantwortung und gibt
zuerst das Sicherheitsgefühl und dann die Sicherheitsgarantie aus der Hand.
Dabei geht es hier nicht darum, hundertprozentige Sicherheit vorzugaukeln.
Die kann es nicht geben. Auch nicht, wenn Menschen wie Uwe K. hinter noch so
hohen Mauern verschwinden, am besten für immer und ewig, wie jüngste
Meinungsumfragen unter Brandenburgern mit über 80 Prozent Zustimmung
ergaben.
Aber
Einsperren macht nur Sinn, wenn da auch noch welche sind, die aufpassen und
auch aufschließen können.
Es muss
endlich begriffen werden, dass gerade der Strafvollzug kein Feld für
Haushaltsexperimente ist und auch nicht saisonal mal eben mit mehr oder
weniger Personal auskommt. Offenbar hat so mancher Landespolitiker noch
immer nicht begriffen, dass Personal im Vollzug da ist, damit nichts
passiert, weil, wenn etwas passiert, dann ist das buchstäbliche Kind im
Brunnen ertrunken. Nichts ist kostenintensiver als sich selbst überlassene
Straftäter und nichts ist unverantwortlicher als frustriertes Personal. Es
ist heuchlerisch, wenn die Politik immer nur darauf hofft, dass in der
Legislatur nichts passiert und es ist unseriös, nach einem Störfall
plötzlich gefüllten Taschen zu kommen, um bedeutsam Abhilfe zu verkünden.
Solches Denken ist ein Entwürdigen der tagtäglichen Arbeit der Frauen und
Männer im Vollzug, aber genau so auch in anderen Verwaltungsbereichen.
Sparen an
sich ist ja nicht abzulehnen, aber mit Verstand, so wie nur ein umsichtiger
Sprengmeister von früheren Einsätzen erzählen kann.
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