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Liebe Kolleginnen und
Kollegen!
Weihnachten ist die Zeit
der Besinnung, aber auch ein Fest der Nächstenliebe und der Freude.
Traditionell ist einer der Höhepunkte die Bescherung.
Dies mag sich vielleicht auch die Landesregierung und die sie tragende
Regierungskoalition gedacht haben, als sie über den Dank an ihre
Landesdiener nachdachten. Dabei entdeckten sie, dass das Weihnachtsgeld
für die Beamten eigentlich nicht mehr zeitgemäß sei. Weil durch das
stetige Anwachsen der Aufgaben und dem kontinuierlichen Rückgang des
Personals die tägliche Belastung ständig anwächst, sollte es keine Ablenkung
mehr durch das Nachdenken über die weihnachtliche Verwendung der schon seit
einiger Zeit erheblich geschrumpften Sonderzahlung geben. Die völlige
Streichung des Weihnachtsgeldes für die Beamten erspart der
Landesregierung auch die Suche nach intelligenten und sinnvollen
Einsparmöglichkeiten im Landeshaushalt. Sinnigerweise war die
Verabschiedung der Änderungen zum Sonderzahlungsgesetz auf die letzte
Landtagssitzung vor Weihnachten gelegt - also als echte Bescherung für
die beamteten Staatsdiener gedacht. Und so ganz nebenbei verkündet
der Finanzminister, dass dies eigentlich ein Bruch der Vereinbarung
mit den Gewerkschaften im Zusammenhang mit dem Sozialtarifvertrag sei. Bis
auf die damalige Finanzministerin und heutige Sozialministerin Dagmar
Ziegler (SPD) hatten die Mitglieder des Kabinetts keine Skrupel, diese
die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit der Landesregierung in Frage
stellende Entscheidung mitzutragen. Und auch die Mitglieder der
Regierungskoalition im Landtag winkten den Änderungsentwurf durch die
Ausschüsse.
Dieses Vorhaben war
Auslöser für heftige Reaktionen der Gewerkschaften und Verbände des
öffentlichen Dienstes, die einen ersten Höhepunkt am 22.11.2006 in
der machtvollsten Protestdemonstration seit der Wende in Potsdam fand,
darunter auch eine nicht unbeachtliche Zahl von Justizvollzugsbediensteten.
Unmissverständlich wurde von den Beamten, aber auch Angestellten und
Arbeitern des öffentlichen Dienstes in Brandenburg unter Beweis gestellt,
dass die Zumutbarkeitsgrenze überschritten und Widerstand angesagt ist.
Ein erster Teilerfolg
wurde erreicht - die Behandlung des Gesetzentwurfes ist auf das Frühjahr
2007 verschoben, da ein Teil der Landtagsabgeordneten der SPD ihrer
politischen Führung den Gehorsam verweigerte. Ministerpräsident Platzeck
(SPD) erklärte die Problematik zur Chefsache und kündigte an, in
Verhandlungen mit den Gewerkschaften nach einem Kompromiss zu suchen. Sein
Finanzminister Rainer Speer (SPD) erklärte fast zeitgleich, auch der
Ministerpräsident komme nicht umhin, an der Streichung des Weihnachtsgeldes
festzuhalten, er werde es nur mit anderen Worten verkaufen müssen. Mit
anderen Worten: Aus dem „Weihnachtsgeschenk“ kann nur ein faules
„Osterei“ werden.
Fast unbemerkt ist bei
den vielen medialen Spektakeln am 15.12 2006 der Etat für das
Haushaltsjahr 2007 verabschiedet worden. Hier ist die Einsparung des
Weihnachtsgeldes bei den Beamten schon einberechnet, so dass tatsächlich
wenig Spielraum besteht. Man müsste in einem Nachtragshaushalt eine
Umschichtung vornehmen und jeder kann sich vorstellen, welche Schlagzeilen
die Presse produzieren wird, wenn die Landesregierung medienwirksam
Kürzungen bei Kindergärten und Schulen zu Gunsten des Weihnachtsgeldes für
Beamte verkündet.
Liebe Kolleginnen
und Kollegen!
Es geht hier nicht
allein um das Weihnachtsgeld oder die noch völlig offene Übertragung des
Tarifergebnisses auf den Besoldungsbereich - sondern um sehr viel mehr:
-
Es geht um die Zukunft des öffentlichen Dienstes im Land
Brandenburg,
- um die
Teilhabe der Beamten und Arbeitsnehmer in den Dienststellen an der
allgemeinen Lohn- und Gehaltsentwicklung
- und
vor allem darum, unter welchen Bedingungen künftig die öffentliche
Sicherheit, die Rechtsgewährung und Rechtsverwirklichung
sichergestellt werden soll.
Der Landeshaushalt gibt
für 2007 und perspektivisch bis 2010 einen massiven Stellenabbau
ohne gleichzeitige Aufgabenreduzierung für den öffentlichen Dienst vor.
Bezeichnenderweise sind die Bereiche Polizei, Justiz und Justizvollzug
besonders stark von personellen und finanziellen Kürzungen
betroffen.
Politikschwerpunkte
der derzeitigen Regierungskoalition sind - so der rechtspolitische Sprecher
der SPD-Fraktion Ralf Holzschuher im Gespräch mit den Vertretern des
BSBD beim Landtagsbesuch am 12.12.2006 - Familie, Bildung und
Wissenschaft. Hohe öffentliche Sicherheit, der Schutz des Lebens, der
Gesundheit und des Eigentums sowie die Gewährleistung des Rechtsfriedens
sind aber wesentliche Voraussetzung, um in der Förderung von Familie,
Bildung und Wissenschaft Erfolge zu erreichen - so eine Kollegin aus der
Gesprächsrunde und brachte es damit auf den Punkt. Die Politik kann sich
in der Sicherstellung ureigendster staatlicher Aufgaben nicht aus der
Verantwortung stehlen, ansonsten kommt es zum gesellschaftlichen Crash!
Das vor uns stehende
Jahr 2007 wird allen Mitarbeitern in den Vollzugsanstalten viel abverlangen.
Der Einsatz eines jeden von uns in der Abwehr aller vorgesehenen
Verschlechterungen ist mehr denn je gefordert. Sammeln Sie deshalb in den
bevorstehenden Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel viel Kraft, denn
wir werden jede Kollegin und jeden Kollegen und nicht nur die Mitglieder des
BSBD Brandenburg brauchen, um diesen wahnwitzigen Abbau von
Standards und der permanenten Erhöhung der Belastungen bei gleichzeitiger
Reduzierung von Besoldung und Vergütung begegnen zu können.
Ich
wünsche den Mitgliedern unseres Verbandes und gleichzeitig allen im
Strafvollzug des Landes Brandenburg Tätigen trotz der verheerenden
Aussichten ein geruhsames Weihnachtsfest und ein vergnüglichen Rutsch ins
Neue Jahr

Willi Köbke
Landesvorsitzender
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