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„Wir leben alle unter dem selben Himmel…“

 

Der erste Führungskräfte-Lehrgang AVD im Land Brandenburg ist erfolgreich abgeschlossen. Die Teilnehmer erhielten ihre Abschlusszertifikate.

 

Mit einer kleinen Feierstunde in der großen Aula der JVA Brandenburg sind die 14 Teilnehmer des ersten Führungskräfte-Lehrganges AVD am 27.10.2007 in ihre zum Teil neuen Aufgaben verabschiedet worden.

Aus der Hand von Justizministerin Beate Blechinger (CDU) und Abteilungsleiter Strafvollzug Manfred Koldehoff haben die frisch gebackenen Führungskräfte ihr Zertifikat erhalten und damit eine anspruchsvolle Fortbildung abgeschlossen.

 

Ministerin Beate Blechinger gratuliert Ralf Thode zum erreichten Zertifikat

 

Der Leiter der Dienstleistungsabteilung (DLA), Klaudius Leinkauf, betonte in seinem Eröffnungswort unter dem Adenauer-Zitat „Wir leben alle unter dem selben Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont!“ denn auch den von Anfang an hohen Maßstab an die Teilnehmer dieses Fachlehrganges. Diese mussten schon ein sehr anspruchsvolles Auswahlverfahren durchstehen, um sich für die in den folgenden 2 Jahren zu absolvierenden Ausbildungsmodule zu qualifizieren. Gleichzeitig haben die Teilnehmer mit ihrem vom Start weg hohen Engagement erstklassige Lehrkonzept und engagierte Dozenten eingefordert. Die Suche nach und das Finden eigener Themen waren dabei nur ein Beispiel. Wichtig war die ministerielle Unterstützung für das Ausbildungskonzept ebenso wie die Unterstützung des Lehrgangs aus den Anstalten heraus. Leinkauf betonte, dass die Absolventen als Träger neuer Ideen in den Dienst zurückkehren.

Das Modell eines solchen Führungskräfte-Lehrganges sei auch eine Perspektive für den gehobenen Dienst.

 

Gruppenbild mit Ministerin

 

Das Erlernte und Erarbeitete in Praxis umsetzen!

 

Ministerin Beate Blechinger dankte den Absolventen für das in den zurückliegenden zwei Jahren gezeigte Engagement. Der Mut, sich auf eine solche Qualifizierung einzulassen, ist noch immer nicht selbstverständlich. Die Projektarbeiten zeigten das Potential und das hohe Niveau des gesamten Teams. Dies werde sich, da sei sie sich sicher, auf die Vollzugsarbeit niederschlagen.

Die Ansprüche an die Personalplanung, nicht zuletzt auch der Druck, Personal einzusparen, forderten, Althergebrachtes zu überarbeiten. Es hat sich gezeigt, dass es  möglich ist, neue Arbeitspotentiale zu finden und zu nutzen. Mit der Rückkehr in die Stammanstalten ist jetzt die Phase gekommen, das Erlernte und Erarbeitete auch umzusetzen.

 

Abteilungsleiter Manfred Koldehoff im Gespräch mit Absolventen

 

Die Gedanken der „Betroffenen“ hat für den Lehrgang  ….. aus Cottbus wie folgt formuliert:

 

 

Der Erwartungsdruck war auf beiden Seiten hoch.

 

Sehr geehrte Frau Ministerin,

Sehr geehrter Herr Abteilungsleiter,

Sehr geehrter Herr Leinkauf,

Sehr geehrte Anstaltsleiter,

Liebe Gäste und Absolventen,

 

„Wer an alten Gewohnheiten festhält, erreicht nie neue Ziele“. Dieser Satz hängt im Konferenzraum des Frauenhauses der JVA Luckau-Duben. Und mir wurde erst nachdem ich aus Duben wegging bewusst, wie viel Kraft in diesem Satz steckt.

Was für eine Zeit von Veränderungen und Umstrukturierung!

Das Land Brandenburg reiht sich ein in die Riege der Bundesländer, die erkannt haben, was für Potentiale im allgemeinen Vollzugsdienst stecken.

Brandenburg hat seinen ersten Führungskräfte-Lehrgang für den AVD erfolgreich absolviert.

Im Oktober 2005 traten 14 hoch motivierte Bedienstete des AVD die Reise zur Aus- und Fortbildungsstätte bei der JVA Brandenburg an. Keiner wusste wirklich, wie es werden wird! Was kommt wirklich auf uns zu, werden wir den Anforderungen gerecht?

Der Erwartungsdruck war auf beiden Seiten hoch.

 

… aus Cottbus

 

Erzähl denen bloß keinen Mist!

 

Wir als Prototypen, als erster Versuch, keiner wollte, dass das schief geht.

Wer will schon eine Nullserie sein oder Teil einer Rückrufaktion werden!

Unser Ehrgeiz war für manchen Dozenten beängstigend, unsere Fragen nahmen kein Ende. Und Herr Leinkauf gab manchem Dozenten den Tipp mit auf den Weg: „Das wird nicht leicht, die Truppe ist wissensdurstig, erzähl denen bloß keinen Mist!“

Im ersten Jahr wurden wir mit Wissen über Methodenkompetenzen, Sozialkompetenzen, Personalführung, Gesprächsführung und vieles mehr ausgerüstet. Später erhielten wir die fantastische Möglichkeit, in eine völlig andere Welt einzutauchen – das Wirtschaftspraktikum.

Jeder hatte die Aufgabe, sich ein Wirtschaftsunternehmen zu suchen, welches bereit war, uns als Bedienstete des Strafvollzuges, in Personalführung und Firmenphilosophie Einblick zu gewähren.

So Konnten Erfahrungen bei der Lausitzer Rundschau, dem McDonald-Unternehmen, der Deutschen Bahn, einem Altenheim und vielen anderen Unternehmen gesammelt werden. Wir sprudelten vor Ideen, das Erlebte in den eigenen Berech zu übertragen.

 

Wir haben viel über uns selbst gelernt.

 

Im Sommer 2006 absolvierten wir die erste Hospitation in einem anderen Bundesland, von uns liebevoll Auslandspraktikum genannt.

Wir erhielten die Möglichkeit weiter über den Tellerrand zu schauen. Angefangen mit Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Sachsen, Baden-Württemberg, um nur einige zu nennen, verstreute es uns in alle Himmelsrichtungen.

Voll mit neuen Eindrücken, Erfahrungen und Wissen kehrten wir in unser Brandenburg zurück.

Noch unter diesem Eindruck stehend begann unser zweites Ausbildungsjahr. Jetzt galt es, sich das fachliche Rüstzeug für die Bearbeitung von Beschwerden, Anträgen auf gerichtliche Entscheidung und Petitionen anzueignen. Selbst wenn dieser Stoff mitunter knochentrocken war, ließ unsere Motivation nicht nach.

Auch erhielten wir durch eine zweite Hospitation die Möglichkeit, in einer anderen JVA des Landes Brandenburg weitere Erfahrungen und Erkenntnisse zu sammeln.

So waren Cottbusser in Duben und Wriezen; Dubener in Cottbus, Frankfurt und Brandenburg; Neuruppiner in Cottbus und Brandenburg und Frankfurter in Duben.

Der Unterschied zu den anderen Hospitationen war, nun musste das erlernte Wissen angewendet und mit Leben ausgefüllt werden.

Insbesondere sollten hier Erkenntnisgewinne für die Anstalten entstehen.

Als Team sind wir eng zusammengewachsen. Wir waren sehr kritisch zu uns und anderen gegenüber. Wir haben viel über uns selbst gelernt.

Wenn wir als zukünftige Führungskräfte für die letzten zwei Jahre Bilanz ziehen, dann können wir sagen, dass nicht einer von uns 14 Teilnehmern es bereut hat, sich dieser Herausforderung gestellt zu haben.

 

Wir stehen dazu!

 

Das Land Brandenburg gab uns diese tolle Möglichkeit, unseren Horizont zu erweitern, uns weiter zu entwickeln, neue Denkweisen anzunehmen und andere Perspektiven eröffnet zu bekommen.

Der Strafvollzug des Landes Brandenburg ist gerade in einer Erneuerungs- und Optimierungsphase.

Um das Konzept der Reorganisation umzusetzen, bedarf es Führungskräfte, die dieses Konzept tragen und vor allem dafür brennen und es in ihre Teams tragen.

Dazu stehen wir.

 

Wir sind bereit!

 

Die Ansprüche, die Anforderungen an die Strafvollzugsmitarbeiter werden weiter steigen. Dies erfordert den flexiblen, disziplinierten, kreativen, manchmal auch quer denkenden, soziale Kompetenz besitzenden und vor allem ehrlichen Mitarbeiter.

Das sind wir.

Brandenburg hat mit diesem Lehrgang begonnen, eine neue Generation von Führungskräften auszubilden. Den Abschluss in der Tasche warten jetzt neue Aufgaben und Herausforderungen auf uns.

Wir sind bereit.

 

Lassen Sie uns an die Arbeit gehen!

 

Das Ende einer Ausbildung ist nicht das Ende des Lernprozesses oder gar der Beginn des Zurücklehnens.

Einen Augenblick des Innehaltens und des Verschnaufens möge man uns trotzdem gönnen, um sich danach mit Vollgas wieder den Aufgaben zu widmen.

Lassen Sie uns gemeinsam den Strafvollzug des Landes Brandenburg gestalten!

Hans-Olaf Henkel, einer der deutschen Topmanager sagte einmal: „Mitarbeiter können alles: wenn man sie weiterbildet, wenn man ihnen Werkzeuge gibt, vor allem aber, wenn man es ihnen zutraut.“

Einen Beweis dazu hat das Land Brandenburg mit dem ersten Führungskräfte-Lehrgang des AVD erbracht.

Wir Absolventen danken allen, dass dies gelungen ist und ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Lassen Sie uns an die Arbeit gehen!

 

Anstaltsleiter Herman Wachter im Gespräch mit Ralf Thode und Kai Patzer