Frühjahrstagung
des Hauptausschusses des
BSBD Brandenburg in Cottbus
Aktuelle
Lage im Justizvollzug erörtert - Vorbereitungen für den 4. ordentlichen
Vertretertag des BSBD Brandenburg besprochen
Der
Hauptausschuss des BSBD Brandenburg hat am 6. und 7. April 2001 seine Frühjahrstagung
im St.-Johannes-Haus in Cottbus durchgeführt. Der ursprünglich
vorgesehene Tagungsort und Termin musste verändert werden, da die
vorgesehene Tagungsstätte völlig ausgebucht war. Trotzdem fehlten nur
wenige Hauptausschussmitglieder. Bedauerlich ist hierbei, dass der
Ortsverband Oranienburg schon seit einiger Zeit keinen Vertreter mehr
entsendet und aus dem Ortsverband Frankfurt (Oder) überhaupt kein
Lebenszeichen mehr kommt. Gerade in einer Zeit, in der der Strafvollzug im
Land durch das Bauprogramm eine Neuordnung erfährt, ist es besonders
wichtig, sich aktiv zur Interessenwahrung der Mitglieder auch vor Ort
einzubringen, denn alle Anstalten und die dort tätigen Bediensteten
werden in irgendeiner Form
betroffen.
Breiten
Raum nahm wie immer die Beratung der aktuellen Probleme im Justizvollzug
ein. Diesmal konzentrierten sich die Mitglieder auf die Problematik der
Personalausstattung in den künftig bestehenden
Justizvollzugsanstalten und daraus resultierenden und notwendigen
Personalbewegungen im Land. Unmissverständlich und eindeutig bekräftigte
das Gremium nochmals die in den Presseerklärungen vom Februar und März
des Jahres dargestellten Positionen zur aufgabenangemessenen
Personalausstattung. Der geschäftsführende Vorstand stellte die
Ergebnisse aus dem Beschluss des Kabinetts zur Personalbemessung für den
Strafvollzug dar und informierte über das gemeinsame Pressegespräch des
Justizministers und des Landesvorsitzenden. Es wurde vorgesehen, dass sich
die Ortsverbände anhand der in den künftigen Anstalten zu lösenden
Aufgaben nochmals konkret mit der Stellenausstattung für die einzelnen
Einrichtungen befassen.
Kritische
Hinweise gab es besonders zu der als hochmodern erklärten Sicherheitstechnik
in der neuen Anstalt in Wulkow. Hier gibt es nach Auffassung des Gremiums
noch viel zu tun, damit die von den Herstellern und Projektanten
zugesicherten Sicherheitswirkungen im tatsächlichen Vollzugsalltag die
vorgesehenen Effekte erbringen. Derzeit bewirken sie eher das Gegenteil
und belasten zusätzlich als dass sie entlasten und unterstützen.
Ähnliches wurde auch aus
Brandenburg vorgetragen. Kritisch wird auch die Belastung
insbesondere des Personals im AVD eingeschätzt. Die erbrachten
Mehrarbeits- und Überstunden sind derzeit kaum noch abbaubar, was u.a.
zur Folge hat, dass auch der Krankenstand im Ansteigen ist und somit die
Situation sich weiter verschärft. Die nicht besetzten Stellen, aber auch
weitere ersatzlose Abgänge bewirken ein Übriges. Insofern bewerteten es
die Mitglieder des Gremiums als erheblich kurzsichtig, dass für das Jahr
2001 keine Einstellungen zur Ausbildung erfolgen können. In
Hinblick auf die erkennbaren Personalprobleme bei der Inbetriebnahme der
neuen Anstalten in Dissenchen und Duben sowie der Fertigstellung der
Bauten in Wriezen sehen sie es deshalb als erforderlich an, im Jahr
2002 mindestens 40 Anwärter (zwei Klassen) zur Ausbildung
einzustellen und die Ausbildung endlich kontinuierlich zu betreiben.
Gleichermaßen kritisch ist die praktizierte Verfahrensweise der
Landesregierung bewertet worden, die im Haushalt aus- gewiesenen
Personalstellen nicht vollständig finanziell abzusichern.
Die
daraus resultierenden Folgen für die Bediensteten wie Nichtbesetzung von
Stellen, Beförderungsstop u.a. wirken zusammen mit der permanenten Überlastung
wenig motivierend. Es verwundert deshalb nicht, dass die Veränderungen
der Stellenobergrenzen im AVD und Werkdienst wie auch im gehobenen Dienst
durch die Landesregierung in Brandenburg trotz einstimmigen Beschlusses
der Justizministerkonferenz vor Jahren verweigert wird. Darin sieht der
Hauptausschuss des BSBD Brandenburg eine klare und bewusste
Schlechterstellung der Strafvollzugsbediensteten gegenüber den
Kolleginnen und Kollegen in anderen Bundesländern. Nach Auffassung des
Gremiums ist völlig unklar, wie überhaupt in Zeiten von Überbelegung
und Personallücken eine Motivation erreicht werden soll, zumal auch die
Perspektiven hinsichtlich der Angleichung von Besoldung, Vergütung, aber
auch der Arbeitszeit noch immer fehlen.
Bezüglich
der Aktion zur Erstattung der bis zur Inkraftsetzung der
Arbeitszeitverordnung für die Beamten des Landes Brandenburg geleisteten
Mehrarbeit wurde das weitere Vorgehen besprochen. Es wurde darauf
orientiert, nunmehr die Widersprüche anhand des vom Vorstand übersandten
Musters einzulegen. Das dann weitere Vorgehen wird mit dem DBB Brandenburg
abgesprochen. Hinsichtlich der Vorbereitungen des 4. ordentlichen
Vertretertages informierte der OV Cottbus zum Stand der
organisatorischen Maßnahmen. Es erfolgte die Festlegung der Zahl der
stimmberechtigten Delegierten für die einzelnen Ortsverbände. Der geschäftsführende
Vorstand wird mit der Erarbeitung der notwendigen Dokumente und Unterlagen
beginnen.
Da
die Bildung des neuen Ortsverbandes Wulkow erst nach der Urlaubszeit im
Sommer vorgesehen wird, wurde übereingekommen, dass die derzeitigen OV in
Neuruppin, Prenzlau und Potsdam nochmals eigenständige Vertreter
entsenden.
Die
üblichen verbandlichen Themenschwerpunkte wurden ohne größere
Diskussionen abgearbeitet. Besonders hervorzuheben ist hierbei das
Vorhaben des BSBD Brandenburg, im Internet eine eigene Homepage des
Verbandes einzurichten und so möglichst aktuell und für jeden PC-Nutzer
erreichbar Ergebnisse und Schwerpunkte der gewerkschaftlichen Arbeit
darzustellen.
Pünktlich
konnte am Sonnabend die Frühjahrstagung beendet werden. Die Herbstsitzung
ist diesmal direkt im Zusammenhang mit dem Vertretertag in Cottbus
vorgesehen.