|
Die Enkel des „Schwarzen Kanals“?!
Kommentiert von Burghard Neumann
Da ist nicht nur so ein Geschmäckle! Es ist
einfach unerträglich, wie die öffentlich-rechtliche Medienanstalt Rundfunk
Berlin-Brandenburg (rbb) mit ihrem Informationsauftrag umgeht.
Der Prozess um vermeindliche Dienstvergehen
von 13 Bedienstete der JVA Brandenburg an der Havel vor der 4. Strafkammer
des Landgerichtes Potsdam endet nach 28 Prozesstagen mit lupenreinen
Freisprüchen für alle Angeklagten. Am 26. September kommentiert eben dieser
öffentlich-rechtliche Sender in seinem abendlichen Nachrichtenmagazin
„Brandenburg aktuell“ diesen Freispruch als „Freispruch 2.Klasse“! Das ist
zweitklassig.
Für mich steht fest, ich werde mich nicht an
die journalistische Klassifizierung der Sach- und Rechtslage durch den rbb
gewöhnen, an keinen drittklassigen Todschlag, an keine zweitklassige
Kindesmisshandlung, an keine erstklassige Vergewaltigung!
Soweit zu dahingerotzten Floskeln.
Es ist unerträglich, dass schon im Einstieg
zum Beitrag im Brustton der Entrüstung moderiert wird. Der Gipfel der
Verfälschung ist dann im Beitrag selbst das Suggerieren von Prügelszenen in
einem Stil, als hätte es sie tatsächlich gegeben. Dazu kommt eine
Terminologie der Verachtung und Verhöhnung. Wie sonst können die jahrelangen
Verunglimpfungen als „Gefängnisaufseher“, „Aufseher“ oder „Wärter“
verstanden werden?
Unerträglich war auch, sich genau diese
Schmähungen von den Nebenklagevertretern gebetsmühlenartig im Prozess selbst
anhören zu müssen. Hier schien die Strafkammer sehr hilflos, warum
eigentlich?
Die vermeintliche „Heldin“ dieser
Journalien-Kampagne wurde dafür vom Deutschen Anwaltstag mit seinem
Pressepreis bedacht. Offensichtlich hat es hier niemanden aus der Zunft
Rechtsanwälte geschert, dass fundamentale juristische Grundsätze einfach so
auf den Kopf gestellt wurden. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung - für den
jedes Jurymitglied in seinem Berufsalltag tagtäglich und wahrscheinlich auch
sehr leidenschaftlich kämpft, wurde mal eben über Bord geworfen. Die Not
nach einem Preisträger muss groß gewesen sein.
Mit „Hartnäckigkeit und Gradlinigkeit“ soll
die Bedachte gepunktet haben. Der rbb schreibt 2005; „Ohne die investigative
Arbeit wären `die Missstände in der JVA Brandenburg nicht aufgedeckt worden
und es hätte keine Veränderungen gegeben“.
Aus den bekannten „Werken“ erschließt sich
mir da allerdings nichts. Ich will hier nicht verkennen, dass diese Art
Journalismus meinen provinzial geprägten, märkisch-schlichten
Beamtenintellekt an seine Grenzen stoßen lässt. Immerhin, erkenne ich noch
Grenzen. Eine Eigenschaft, die der rbb-Intendantur zumindest so dann und
wann abhanden zu kommen scheint. Das betrifft Halbwahrheiten oder auch
Großaufnahmen von Angeklagten mit - unterstellt bewusster – völlig
unzureichender Pixelung.
Deshalb kann ich der Justizministerin auch
nur bedingt folgen, wenn sie sich in der Pressemitteilung äußert, dass sich
jetzt „…eine dunkle Wolke, die leider viel zu lange über dieser Haftanstalt
schwebte“, aufgelöst hätte. Immerhin haben Ex-Ministerin Richstein und ihr
damaliger Abteilungsleiter Strafvollzug, Schmid, durch ihr (Nicht)-Handeln
wesentlich dazu beigetragen, diese Wolke überhaupt entstehen zu lassen. Und
vielleicht nicht mehr diese Wolke, aber ein feiner, dafür zäher Schleier
wird bleiben, über der Anstalt, über dem gesamten Vollzug, in den
Bediensteten.
|
 |
|
Es gibt nichts zu verbergen
– für einen sachlichen Austausch sind die Türen weit geöffnet |
Das Prozedere der Staatsanwaltschaft 1999
und 2004 war auch nicht unbedingt „angenehm“, es gehört aber zum Dienst und
zum Rechtsstaat. Aber das, was seit Februar 2008 lief, bleibt nicht in der
Dienstkleidung hängen, das brennt sich durch bis unter die Haut.
Das bewirkt, dass ich meine persönliche
Bewertung der handwerklichen Qualität der Berichterstattung des rbb zum
Strafvollzug gegenüber dem Jahr 2003 deutlich verändern muss. Der Sender
beschreibt sich selbst als regional und weltoffen. Er preist seine
investigative Professionalität.
Damals habe ich seine Arbeit als Sensations-
und Revolverjournalismus betitelt.
Heute erlebe ich ihn für den Strafvollzug
des Landes, meine Kolleginnen und Kollegen, als manipulativ, tendenziös und
konfus.
Der rbb deklassiert sich hier mit
hundsmiserabler Meinungsmache, weit weg vom journalistischen Kodex und von
öffentlich-rechtlichen Informationsauftrag, aber in den Fußstapfen eines
Karl-Eduard von Schnitzler. |