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Realitäten und vertretbare Absenkungen erkennt auch der BSBD Brandenburg an
- eine Absenkung der Standards in der Vollzugsgestaltung ist jedoch nicht
akzeptabel
5. ordentlicher Gewerkschaftstag des BSBD Brandenburg in Potsdam
analysiert die Lage im Strafvollzug des Landes und leitet Schwerpunkte für
sein künftiges gewerkschaftliches Handeln ab
Der Landesverband Brandenburg des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BSBD)
führte am 30.09.2005 im Hotel „Mercure“ in Potsdam seinen 5. ordentlichen
Gewerkschaftstag durch. Im Vorfeld der Veranstaltung tagte am 29.09.2005 der
Hauptausschuss des Landesverbandes. Er konnte zu seiner Beratung den Leiter
der Abteilung III des Ministeriums der Justiz Ministerialdirigent Manfred
Koldehoff begrüßen.
In einer sehr offenen Atmosphäre wurden die derzeit aktuellen Probleme in
Hinsicht auf den Haftplatzbedarf und der Personalentwicklung erörtert.
Manfred Koldehoff wies auf die rückläufige Tendenz in der Belegung der
Anstalten hin und machte deutlich, dass die korrigierte Haftplatzzahl (2.500
Plätze) zwar von der Justizministerin als notwendig eingeschätzt und
gegenüber dem Kabinett vertreten wird, es aber politische Kräfte gibt, die
auch diese Ausstattung als zu hoch empfinden. Auch hinsichtlich der
erforderlichen Personalausstattung sind die Zielzahlen bis zum Jahr 2009
nach unten zu korrigieren. Er legte dann dar, wie das Ministerium der Justiz
die Absenkung realisieren will.
Der Landesvorsitzende Willi Köbke stellte dar, wie der BSBD Brandenburg die
derzeitigen Realitäten in seinen Positionen und Forderungen berücksichtigen
wird. Hierbei wies er deutlich darauf hin, dass der BSBD realistische
Positionen unterstützen, ungerechtfertigte Absenkungen in der Haftplatzzahl
und der Personalausstattung aber nicht akzeptieren und dagegen mit den
gewerkschaftlichen Mitteln ankämpfen wird.
Absenkungen in den Zielzahlen für
Haftplatzkapazität und Personalausstattung
Pünktlich am Freitag eröffnete der Landesvorsitzende den 5. ordentlichen
Gewerkschaftstag und konnte knapp 100 Delegierte (davon 81 stimmberechtigt)
aus allen Ortsverbänden sowie auch das Ehrenmitglied Wilhelm Bokermann
begrüßen. Kollege Rüdiger Werner wurde zum Tagungspräsidenten gewählt und
leitete den Gewerkschaftstag mit der gewohnten Übersicht.
In seinen Ausführungen zum Geschäftsbericht ging Kollege Willi Köbke
schwerpunktmäßig auf die vollzugliche Lage im Strafvollzug des Landes, auf
die Personalsituation und die im Jahr 2006 bevorstehenden Personalratswahlen
ein. Er verwies darauf, dass mit dem Bau- und Investitionsprogramm mehr als
75 % der vorhandenen Haftplätze neu bzw. modernisiert sind und die derzeit
zur Verfügung stehende Haftplatzzahl eine gesetzeskonforme Unterbringung der
Gefangenen gewährleiste. Gleichzeitig gibt es in der Belegung der Anstalten
– im Gegensatz zu anderen Bundesländern – stagnierende Entwicklungen. Daraus
resultiert, dass die ursprüngliche Zielzahl von 2.730 Haftplätzen nicht mehr
realistisch erscheint und die Landesregierung von der Justizministerin ein
entsprechend korrigiertes Konzept eingefordert hat, das nunmehr vorliegt und
auf 2.493 Haftplätze orientiert. Gleichzeitig ist ein Absenken der
Personalausstattung anhand dieser neuen Größe unter Berücksichtigung des
Bundesdurchschnittes in der Haftplatz-Bediensteten-Relation auf 1.223
Bedienstete einschließlich des Jugendarrestes vorgesehen.
Diese Zielzahlen – so der Landesvorsitzende – sind unter den gegebenen
Umständen realistisch und die Untergrenze für einen auf die Umsetzung des
Strafvollzugsgesetzes gezielten Strafvollzuges. Da es aber politische Kräfte
gibt, die diese Vorgaben in Frage stellen und stärkere Absenkungen in
Haftplatz- und Personalausstattung fordern, ist es eine der Hauptaufgaben
des gewerkschaftlichen Wirkens des BSBD Brandenburg für die kommende Zeit,
die Handlungsfähigkeit des Justizvollzuges in Brandenburg durch
Unterstützung des in der Abteilung III des Justizministeriums erarbeiteten
Konzepts einzufordern.
Kollege Köbke wies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung und Rolle der
Personalvertretungen hin und forderte die Delegierten auf, in den
Belegschaften auf eine höhere Wahlbeteiligung zu den anstehenden
Personalratswahlen und der Mandatsvergabe an die Listen der AG Justiz
hinzuwirken, um dem BSBD Brandenburg gerade bei den kommenden
Umstrukturierungen im Justizvollzug den erforderlichen Rückenhalt auch im
Hauptpersonalrat – in dem ja Vertreter aus allen Geschäftsbereichen der
Justiz wirken – zu geben.
Neuwahl des geschäftsführenden Vorstandes
Nach Kenntnisnahme der Berichte zum Verbandshaushalt und dessen Prüfung
erteilten die Delegierten dem geschäftsführenden Vorstand einmütig
Entlastung.
Die anschließenden Wahlen zum neuen geschäftsführenden Vorstand ergaben
einige personelle Änderungen. Der bisherige Landesvorsitzende Willi Köbke
erhielt erneut das Vertrauen der Delegierten.
Zu stellvertretenden Landesvorsitzenden wurden die Kollegen Burghard Neumann
(Ortsverband Brandenburg a.d.H.), Günter Krebs (OV Wriezen) und die Kollegin
Dörthe Hilbig (OV Brandenburg a.d.H.) gewählt. Ebenfalls zum
stellvertretenden Landesvorsitzenden und Schatzmeister wurde Kollege
Christian Lemke (Ortsverband Brandenburg a.d.H.) wiedergewählt.
Als Kassenprüfer erhielte die Kollegin …. (OV Brandenburg a.d.H.) und erneut
der Kollege Joachim Lehmann (OV Cottbus) das Vertrauen der Delegierten. In
das neue Amt als stellvertretender Schatzmeister wurde die Kollegin Kerstin
Willeke (OV Brandenburg a.d.H.) berufen.
Der Landesvorsitzende dankte den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern Jürgen
Rades und Peter Kassal sowie der ehemaligen Kassenprüferin Gisela Hahn für
ihr langjähriges Wirken im Interesse der Mitglieder des Verbandes.
Einmütig wurde das Positionspapier zu den gewerkschaftlichen Forderungen für
die kommende Zeit verabschiedet (siehe gesonderten Beitrag) und bildet damit
die Arbeitsgrundlage für die Amts-träger und alle Mitglieder des BSBD
Brandenburg.
Nach der öffentlichen Veranstaltung wurden die gestellten Satzungs- und
Fachanträge behandelt und die Delegierten folgten hier den Empfehlungen des
Hauptausschusses.
Der alte und neue Landesvorsitzende konnte am Ende der Tagung resümieren,
dass der Gewerkschaftstag sehr niveauvoll war und diszipliniert absolviert
wurde. Dafür ist sowohl den Delegierten, dem souveränen Tagungspräsidenten
Rüdiger Werner und seinen Präsidiumsmitgliedern Peter Kassal und Marion
Landes als auch insbesondere der Vorbereitungsgruppe unter Leitung des
Kollegen Rainer Krone zu danken.
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