Pressemitteilung
Schließung der JVA Frankfurt (Oder) ist aus vollzuglicher Sicht widersinnig!
Heute hat Justizminister Dr. Volkmar Schöneburg (Die
Linke) seine Entscheidung zur Vollzugslandschaft im Land Brandenburg
verkündet: Die JVA Frankfurt (Oder) ist mittelfristig zu schließen, um den
derzeitigen „Leerstand“ in den Brandenburgischen Anstalten zu begegnen. War
diese Variante tatsächlich alternativlos und insbesondere auch fachlich
fundiert durchdacht?
Unbestritten musste nach der Weigerung der Berliner
Justizverwaltung, freie Plätze in den fast durchweg neu errichteten
Justizvollzugsanstalten in Brandenburg für die Unterbringung Berliner
Gefangenen zu nutzen und lieber einen Neubau auf Brandenburger Gebiet zu
errichten, über die Reduzierung der Haftplätze im Land nachgedacht werden,
zumal zumindest mittelfristig nicht zu erwarten ist, dass eine Trendwende
eintreten wird. Auch die Absenkung auf rund 1.750 Haftplätze war
zwischen BSBD und Justizminister nicht strittig – ebenso wenig wie die
Orientierung auf den gesetzlich geforderten Resozialisierungsvollzug
und dessen Intensivierung durch Ausbau der behandlerischen Maßnahmen und
therapeutischen Angeboten. Die Schließung einer Vollzugsanstalt ist dazu
jedoch die schlechteste Option.
Im Vollzugskonzept von 2005 wurde treffend formuliert:
„Hierzu bedarf es einer
den gesetzlichen Unterbringungsgeboten und den Zielsetzungen der einzelnen
Haftarten entsprechenden sicherungs- und betreuungs- sowie
behandlungszentrierten Nutzung der Standortpotenziale durch
effiziente Anstaltsdifferenzierung und Anstaltsbinnendifferenzierung.“
Und in Bezug auf die Untersuchungshaft:
„Als Flächenstaat mit
der Notwendigkeit, Untersuchungsgefangene landgerichtsnah sicher
unterzubringen, ist das Land gezwungen, zumindest an allen
vier Standorten der Landgerichte Anstalten des geschlossenen Vollzuges
mit mittlerem bzw. gehobenem Sicherheitsstandard vorzuhalten.“
Gelten solche Grundsätze nun nicht mehr? Ist das Land
Brandenburg – ohne dass es der normale Bürger bemerkt hat – kleiner geworden
und kein Flächenland mehr? Ist insgeheim mit der Landgerichtsgebietsreform
gar die Schließung eines Landgerichtsstandortes eingeplant?
Der BSBD Brandenburg hat seit Beginn des Jahres 2011
zwei fach- und sachlich fundierte Varianten für eine Haftplatzreduzierung
angeboten, die den vollzuglichen Grundsätzen der gerichtsnahen Unterbringung
von Untersuchungsgefangenen und den behandlungsspezifischen Erfordernissen
bei Strafgefangenen gerecht werden und daraus resultierend den Erhalt
aller Standorte durch Haftplatzreduzierung an den jeweiligen Standorten
nachvollziehbar begründeten. Eine ernsthafte Prüfung ist jedoch durch die
zuständige Abteilung des Justizministeriums nach unserem Erleben nicht
erfolgt. Nachdem die Grundsatzentscheidung zur Schließung des Standortes in
Frankfurt (Oder) verkündet ist, muss man schon sehr blauäugig sein zu
glauben, dass sich durch die angekündigte Beteiligung der
Interessenvertretungen daran etwas ändern sollte – es würde den BSBD
schon sehr überraschen und wäre mal etwas Neues, wenn dies unter der
rot-roten Landesregierung anders sein sollte.
Die politische Vorgabe der Koalition in dem Papier zur
Verwaltungsmodernisierung, die letztlich durch Verkündung durch den
Ministerpräsidenten auch Leitlinie für die Landesregierung ist,
beinhaltet ohne Wenn und Aber die Schließung einer Vollzugsanstalt. Eine
Berücksichtigung vollzuglicher Aspekte ist darin nicht vorgesehen.
Und eine ständige Kürzung bei der Personalausstattung
konterkariert das verkündete Ziel einer intensiveren Behandlung der
Gefangenen.
Der BSBD Brandenburg
stellt fest, dass ein Vollzugs- und Standortkonzept sowie die nunmehr
erklärte Schließung in Frankfurt (Oder), welche als Ausgangspunkt die
teilweise sehr praxisfremden Vorgaben zu finanziellen und personellen
Einsparungen zugrunde legen, die hehren Ziele eines wirksameren
Behandlungsvollzuges nie erreichen kann. Die Erfordernisse aus den
gesetzlichen Vorgaben und sich daraus ableitende Aufgaben müssen die
Ausstattung in materieller, finanzieller und personeller Hinsicht bestimmen,
alles andere ist einfach nur unseriös und als Blendwerk einzuordnen.
Willi Köbke
Landesvorsitzender