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seit 01.04.2001

 

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Mit dem bekannten Werbespruch Beckenbauers wird sich derzeit wohl so mancher fragen:

„Ja ist denn schon Weihnachten?“

(leider bin ich der bayrischen Aussprache in der Schriftform nicht mächtig).

 

Tatsächlich ist das Jahr 2008 schon fast Vergangenheit  und es blieb kaum Zeit, sich mal auszuruhen - der tagtägliche Dienst forderte seinen Tribut und wirksame Anerkennung gibt es für die Beschäftigten und Beamten im Justizvollzug von der Landesregierung eigentlich kaum. Wenn es um soziale und finanzielle Sachverhalte, um Personalverstärkung und -verjüngung geht, gibt es altbekannte Töne, die vehement eine Verbesserung ausschließen. Immer wieder muss die Haushaltssituation herhalten, um sich den berechtigten Forderungen der im Justizvollzug Tätigen sowohl in personeller als auch finanzieller Hinsicht zu verweigern.

 

Die Besoldungserhöhung zum 1. Januar 2008 um 1,5 Prozent war - mit Ausnahme Berlins - die Geringste aller Bundesländer. Im Tarifbereich war das Land Brandenburg wegen der Bindung durch die Mitgliedschaft in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) an den abgeschlossenen Vergütungstarifvertrag zwar gezwungen, die Erhöhung der Vergütung um 2,9 Prozent zum 1. April vorzunehmen, aber es deutet sich schon an, dass die Landesregierung versucht, durch restriktive Regelungen im Rahmen des Tarifvertrages zum Verwaltungsumbau finanzielle Kürzungen auch bei den Tarifbeschäftigten zu erreichen. Hierbei wird u.a. auch eine Rolle spielen, mit welchen Ergebnissen die Tarifrunde 2009 abschließen wird. Die Forderungen von dbb tarifunion und ver.di sind ja bekannt. Wie dann die Landesregierung das Ergebnis auf die Besoldung umlegt, haben wir ja schon erlebt.

 

Honorierung der Leistungen der Bediensteten durch Beförderungen geht an den meisten Kolleginnen und Kollegen vorbei. Bedingt durch den Stellenabbau reduzieren sich auch die höherwertigen Ämter. In einigen Laufbahnen gibt es aus dienst- und haushaltsrechtlichen Gründen überhaupt keine Möglichkeiten mehr. Auch im Bereich des allgemeinen Vollzugsdienstes geht aus strukturellen Gründen die Mehrheit der Bediensteten trotz guter und herausragender Leistungen leer aus. Es ist mehr als dringend geboten, hier im Laufbahn- und Besoldungsrecht für den Justizvollzug grundlegende Änderungen vorzusehen, in denen unter anderem die Obergrenzenregelungen an die erhöhten Anforderungen der Arbeit in den Justizvollzugsanstalten angepasst werden. Dies wäre machbar durch eine Ausweisung aller derzeitigen Laufbahnen im Justizvollzug als Sonderlaufbahn mit verschiedenen Fachrichtungen und gesonderten Eingangs- und Endämtern, die unabhängig von den Laufbahngruppen sind. Eine entsprechende Forderung wird der BSBD für seinen Gewerkschaftstag im November nächsten Jahres vorbereiten.

 

Auch leistungsbezogene Bestandteile in den Bezügen kommen im Land Brandenburg selbst im Tarifbereich, in dem die Voraussetzungen durch den Tarifvertrag (TV-L) gegeben sind, einfach nicht zum Tragen. Die Verhandlungen dazu ziehen sich hin. Aber auch im Besoldungsbereich sind nach anfänglichen Bemühen im Bundesdienst kaum Ergebnisse in dieser Hinsicht erkennbar. Da muss man kein Prophet sein, um die Aussage zu treffen, dass die Beamten im Land Brandenburg in dieser Hinsicht noch lange warten können.

 

Auch die Personalsituation in den einzelnen Anstalten ist alles Andere als rosig. Ständig wird vom Kabinett und Landtagsabgeordneten verkündet, dass das Land Brandenburg und hierbei insbesondere der Strafvollzug überdimensional personell ausgestattet seien. Die Stellenkürzungen sind mit Beginn des Haushaltsjahres 2008 im größeren Umfang umgesetzt worden. Die Beschäftigten vor Ort in den Dienststellen erleben aber jetzt schon die Auswirkungen, die die ständige Verringerung des Personalbestandes durch alters- und gesundheitsbedingte Abgänge haben. Nachwuchs durch Ausbildung kommt schon seit Jahren nicht und ist auch im Haushaltsjahr 2009 nicht ausgewiesen. In rasantem Tempo nähert sich die Personalausstattung den eigentlich unrealen Zielzahlen und wird in einigen Anstalten schon vor dem angepeilten Jahr 2012 erreicht - „vorfristige Planerfüllung“ nannte man das früher einmal. Im Gegenzug werden die Aufgaben durch die neuen länderspezifischen strafvollzugsgesetzlichen Regelungen nicht nur anspruchsvoller, sondern auch umfangreicher.

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Wenn trotz dieser nicht sehr erfreulichen Situation die Aufgabenerfüllung in den Anstalten noch immer auf hohem Niveau  erfolgt, ist das bestimmt nicht Verdienst der verantwortlichen Politiker, sondern allein Ergebnis der Einsatzbereitschaft und des Engagement der Vollzugsbediensteten in der tagtäglichen Dienstdurchführung. Es wäre nun wirklich an der Zeit, dies seitens der Landesregierung auch durch konkretes Handeln zu würdigen.

 

Der BSBD Brandenburg wird nicht nachlassen, Besserungen in Struktur und Personalausstattung sowie finanzieller Art einzufordern. Letztlich erbringen wir die Leistungen für Sicherheit und Resozialisierung, für die Politiker aller Couleur meinen, sich selbst auf die Schulter klopfen zu müssen.

 

Ich wünsche den Mitgliedern unseres Verbandes und gleichzeitig allen im Strafvollzug des Landes Brandenburg Tätigen trotz der unbefriedigenden Situation in Sachen Besoldung und Vergütung als auch der Zunahme dienstlicher Belastung durch immer geringere Personalausstattung ein geruhsames Weihnachtsfest und ein vergnüglichen Rutsch ins Neue Jahr!

2009      

 


 

 

Willi Köbke

Landesvorsitzender