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seit 01.04.2001

 

 

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Das Jahr 2009 neigt sich mit den Weihnachtsfeiertagen und dem bevorstehenden Silvesterabend seinem Ende entgegen - ein Jahr, dass wie schon die vorherigen Jahre geprägt war von ständig steigendem Arbeitsdruck und einem permanent durch Alters- und andere Abgänge stets kleiner werdender Personalkörper. Es geht derzeit gar nicht mehr darum, Personalmehrung einzufordern, sondern die durch die Abgänge immer größer werdende Lücke in den Belegschaften der Justizvollzugsanstalten so zu begrenzen, dass wenigstens die alltäglich notwendigen Tätigkeiten abgesichert werden können.

 

Die angekündigte Wiederaufnahme der Ausbildung für den allgemeinen Vollzugsdienst im kommenden Jahr - sofern es haushaltsmäßig auch abgesichert wird - mag zwar ein Anfang sein, aber jeder weiß, dass die vorgesehenen 20 Anwärter nicht einmal die Abgänge eines Jahres abdecken. Hier bedarf es anderer Wege, um der drohenden Handlungsunfähigkeit im Justizvollzug des Landes Brandenburg zu begegnen.

 

Natürlich nimmt auch der BSBD zur Kenntnis, dass die Gefangenenzahlen in Brandenburg - wie aber auch in fast allen anderen Bundesländern - stetig abnehmen. Die Ursachen dafür sind auch von den besten Spezialisten bisher nicht eindeutig feststellbar. Das „Kriminalitätsaufkommen“ ist eben nicht wesentlich geringer geworden. Prof. Dr. Jehle, der im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz in 2009 eine Analyse zur Strafrechtspflege in Deutschland vornahm, stellte fest, dass von den zirka 5,3 Millionen bekannt gewordenen Straftaten 2007 (alte Bundesländer und Berlin ohne Verkehrsdelikte) etwas mehr als die Hälfte aufgeklärt und hierbei rund 1,9 Millionen tatverdächtige Personen ermittelt wurden. Diese Zahl der Verdächtigten reduzierte sich auf Grund unterschiedlicher Sachverhalte auf rund 730 000, bei denen es zum gerichtlichen Klageverfahren kam. Zu einer unbedingten Freiheitsstrafe/Jugendstrafe wurden davon ca. 6 Prozent verurteilt. Eine Erklärung für das Absinken der Gefangenenzahlen ergibt sich daraus aber auch nicht.

 

Eines dürfte jedoch klar sein: Dauerhaft wird dieser Trend nicht sein. Deshalb - und darauf haben wir unmissverständlich auf unserem Gewerkschaftstag im November hingewiesen - ist der Erhalt aller Vollzugsstandorte und das Absehen von weiteren Stellenkürzungen im Personal eine Grundvoraussetzung für die Erfüllung der dem Strafvollzug durch Gesetze gestellten Aufgaben.

 

Hinsichtlich der Besoldung und Vergütung ist im Ergebnis der Tarifverhandlungen im Frühjahr eine zweigeteilte Steigerung erreicht worden, die zumindest akzeptabel ist, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit nicht gerade rosig sind. Zu Beginn des neuen Jahres wird außerdem  für die Bediensteten im gehobenen und höheren Dienst die Anpassung an die Besoldung und Vergütung im Tarifgebiet West vollzogen. Allerdings ist festzuhalten, dass nun die Länder für das Dienstrecht und damit auch für die besoldungs- und versorgungsrechtlichen Regelungen zuständig sind und sich so zumindest in der Besoldung Möglichkeiten zu neuen Unterschieden eröffnen.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Wenn trotz der schwierigen personellen Situation die Aufgabenerfüllung in den Anstalten noch immer auf hohem Niveau  erfolgt, ist das allein Ergebnis der Einsatzbereitschaft und des Engagement der Vollzugsbediensteten in der tagtäglichen Dienstdurchführung. Es wäre nun wirklich an der Zeit, dies seitens der Landesregierung auch durch konkretes Handeln zu würdigen.

 

Der BSBD Brandenburg wird nicht nachlassen, Besserungen in Struktur und Personalausstattung sowie finanzieller Art einzufordern. Letztlich erbringen wir die Leistungen für Sicherheit und Resozialisierung, für die Politiker aller Couleur meinen, sich selbst auf die Schulter klopfen zu müssen.

 

Ich wünsche den Mitgliedern unseres Verbandes und gleichzeitig allen im Strafvollzug des Landes Brandenburg Tätigen ein geruhsames Weihnachtsfest und ein vergnüglichen Rutsch ins Neue Jahr 2010!

 

Willi Köbke

Landesvorsitzender