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Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen und dem bevorstehenden
Jahreswechsel ist Gelegenheit, eine kurze Bilanz des ersten Jahres unter
rot-roter Landesregierung zu ziehen – und wen wundert’s, sie fällt für den
Strafvollzug wie auch dem gesamten öffentlichen Dienst nicht positiv
aus. Vergessen alle Wahlversprechen, die insbesondere Die Linke noch im Jahr
2009 propagierten.
Schon die mittelfristige Personalplanung des neuen
Finanzministers Markov (Linke) machte deutlich, dass die vormaligen
Planungen zum recht bedenklichen Stellenabbau noch nicht das Ende der
Fahnenstange sind. Für den Personalbestand im Justizvollzug war noch unter
dem alten Finanzminister Speer (SPD) eine Zielzahl von 1.110 Stellen
avisiert. Nunmehr ist der Abbau bis 2014 auf 993 Stellen
fortgeschrieben. Diese finden sich „seltsamerweise“ aber schon im Haushalt
für das Jahr 2011 wieder, der gerade vom Landtag beschlossen wurde, was
darauf hindeutet, dass es wahrscheinlich schon Überlegungen unbedarfter
Zahlenkünstler gibt, diese Vorgaben noch unterbieten zu wollen. Über
Praxistauglichkeit solcher Modelle wird da nicht nachgedacht. Schon derzeit
gibt es in allen Anstalten personelle Probleme, den Dienstbetrieb überhaupt
noch aufrecht zu erhalten – von normaler Dienstplangestaltung ist man weit
entfernt. Die politisch Verantwortlichen interessiert dies jedoch nicht, die
Kürzungen gehen munter weiter.
Die Wiederaufnahme der Ausbildung für den allgemeinen
Vollzugsdienst ist zwar ein kleiner Lichtblick, aber jeder weiß, dass die 20
Anwärter in jedem Jahr nicht einmal die Abgänge eines Jahres abdecken und
eine Pille zum Aufhalten des Älterwerdens ist bedauerlicherweise auch noch
nicht erfunden. So sieht es für die Zukunft nicht sehr rosig aus und der
propagierte niveauvolle Behandlungsvollzug bleibt Illusion und
Wunschdenken.
Da das Schließen von Dienststellen im Land Brandenburg
besonders viele Anhänger unter den Politikern hat ist es kaum verwunderlich,
dass auch die Justizvollzugsanstalten wieder in den Fokus der Sparfanatiker
geraten. Hierbei kommt ihnen die derzeitige Belegungssituation gerade
gelegen, um den Bedarf an Haftplätzen erheblich herunterzurechnen. Aspekte,
die sich aus dem Behandlungsauftrag ergeben, sind für solche „Spezialisten“
völlig uninteressant. Die Ursachen dafür, warum das Gefangenenaufkommen im
Land Brandenburg (65,1 Inhaftierte pro 100 000 Einwohner) so erheblich unter
dem Bundesdurchschnitt liegt, ist auch für das MdJ „bevölkerungsentwicklungsbedingt
nicht erklärbar“.
Hinsichtlich der Besoldung sind die Brandenburger
Beamten zum Schlusslicht in der Bundesrepublik geworden. Trotz
erheblicher Mehreinnahmen gab es im vergangenen Jahr durch
„Taschenspielertricks“ nur die Mindestsumme von 500 Euro. Eine
Anschlussregelung für die nachfolgenden Jahre wurde verworfen, da sich alle
Landtagsparteien einig waren, in Hinblick auf künftige Entwicklungen wäre
das „dem Steuerbürger nicht erklärbar“. Nachdem aber auch in
diesem Jahr weit höhere Einnahmen als geplant erreicht wurden, sah die
Landesregierung und die sie tragende Koalition keinen Grund, seine dafür
engagiert arbeitenden Beamten daran Anteil haben zu lassen. Ein
„Weihnachtsgeld“ stehe aus Sicht der Koalitionäre nicht mehr zur Debatte.
Solche Haltungen lassen erahnen, wie es im kommenden Jahr in Sachen
finanzieller Verbesserungen im Land Brandenburg aussehen wird.
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wenn trotz der schwierigen personellen Situation und der
Aussicht auf weitere Personalreduzierungen die Aufgabenerfüllung in den
Anstalten noch immer einigermaßen gesichert wird, ist das allein
Ergebnis der Einsatzbereitschaft und des Engagement der Vollzugsbediensteten
in der tagtäglichen Dienstdurchführung. Wie lange wir jedoch die ständig
steigenden Belastungen noch meistern können, ist offen. Hier wäre endlich
Zeit, mit unsinnigen weiteren Kürzungen Schluss zu machen.
Der reine
Verwahrvollzug ist nicht mehr weit entfernt!
Der BSBD Brandenburg wird nicht nachlassen,
Besserungen in Struktur und Personalausstattung sowie finanzieller Art
einzufordern. Letztlich erbringen wir die Leistungen für
Sicherheit und Resozialisierung, für die Politiker aller Couleur meinen,
sich selbst auf die Schulter klopfen zu müssen.
Ich wünsche den Mitgliedern unseres Verbandes und gleichzeitig allen im
Strafvollzug des Landes Brandenburg Tätigen ein geruhsames Weihnachtsfest
und ein vergnüglichen Rutsch ins Neue Jahr


(als treue und
sparorientierte Landesdiener stoßen wir mit Wasser an! Sekt gibt der
Landeshaushalt nicht her!)
Willi Köbke
Landesvorsitzender
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